Setzen Sie sich bitte hin, lehnen Sie sich zurück und “hören” Sie zu. Versuchen wir nun also gemeinsam, ein Musikstück zu komponieren. Beginnen wir mit einem Grundrauschen. Aus allen möglichen Richtungen schleichen die verschiedensten Luftströme an Ihr Ohr heran – angefangen von großen Ventilatoren an der Decke bis hin zu der kleinen, aber zahlenmäßig überlegenen Menge an eingebauten Lüftern. Die vielen rauschenden Wirbel fügen sich zu einer unsichtbaren Wolke zusammen, welche ständig im Raum leise von einer Wand zur anderen schwebt.
Diesem Fundament lassen sich weitere “Instrumente” hinzufügen. So treten aus einer künstlich beleuchteten Ecke anfangs ungewöhnliche Töne. Ein rot strahlender Kasten, der eigentlich nur dazu da ist, um runde Metallscheiben in gefülltes Glas zu verwandeln, durchstößt die Stille mit einem bärigen Brummen. Doch je länger Sie dieses Brummen hören, desto unauffälliger wird es und verschwindet, ohne es überhaupt zu merken. Sein weißer Konkurrent – etwas moderner, da er doch aus elektrischen Signalen angreifbare Dokumente zaubert – wiehert wie ein Pferd, wenn der knifflige Umwandlungsprozess stattfindet.
Schritte in den unterschiedlichsten Tonhöhen sind zu hören, da diese Höhle des roten Bären und des weißen Pferdes sehr oft besucht wird. Wasser plätschert aus einem naheliegenden Höhlensystem, begleitet von merkwürdigen Geräuschen, als ob sich zuerst etwas ab- und dann später wieder aufrollen würde. Wenn Sie sich nun von diesem Ort langsam entfernen, werden die bildlichen Klick-Geräusche und textlichen Tipp-Geräusche immer lauter. Zuerst wirken die beiden Arten getrennt, doch nach konzentriertem Hinhören gehören sie doch zusammen.
Aber vorsicht, es zischt jemand um die Ecke und drängt sich an Ihnen vorbei. Dieser jemand möchte ungestört mit einem entfernten Wesen kommunizieren. Dazu wird unbedingt frische Luft und ein Blickkontakt in den Himmel benötigt. Also, auf die Seite und Fenster auf! Ich weiß, Sie sind jetzt ganz aufgeregt und hören ihr Herz pumpen, aber ein metallisches und helles Ding-Ding-Ding (es klingt wie ein sanfter Schlag auf mehrere Triangeln) lenkt Sie ab. Ein unsichtbarer Luftzug hatte dies ausgelöst. Sie wissen, es ist Sommer, denn im Winter hören Sie es seltener – und wenn, dann nur durch dicke Stoffe gedämpft.
Natürlich sind Sie in die Richtung der Quelle dieser Schallwellen geschlichen, um zu erkunden, was es wirklich war. Vorbei an blau strahlenden Schirmen und einer weißen, dekorierten Wand. Doch ein Plätschern und Blubben lenkt Sie von Ihrem Vorhaben ab. Mit voller Begeisterung beobachten Sie aufsteigende Luftbläschen, die sich in einem blaugetönten Behälter nach oben drängeln. Nicht lange dauert dieses Schauspiel, denn Sie haben einen großen Fehler gemacht.
Hier setzt die Percussion völlig unerwartet ein. Ohne Ihre visuelle Umgebung beachtet zu haben, sind Sie gegen einen mit Papier gefüllten Zylinder aus Metall getreten. “Bim, bim” läutet es aus einem Regal. Eine weitere Stunde hat geschlagen.
Sie glauben jetzt, viel erlebt zu haben? Dann liegen Sie ganz falsch, denn dieses Musikstück ist noch lange nicht zu Ende. Kennen Sie alle Melodien der tragbaren Kommunikationsinstrumente? Sie haben ja nicht einmal die Hauptstimmen gehört. Das dürfen Sie sich auf gar keinen Fall entgehen lassen! Ein kleiner Vorgeschmack: “Grüß euch”, “Welche Klappe hast du?”, “Ich bestell was beim Italiener…”, “Essen!”, “1, 2 und 3 sind fertig”, “Bitte schicken”, “Hängst du mir bitte den Teaser nocheinmal ein?”, “35 Meldungen im Ticker”, “Sitzung!”, “Baba”, …
Schade, dass Sie schon gehen müssen. Bitte nehmen Sie diese Tür. Moment, ich habs gleich. Die klemmt ab und zu. Steigen Sie einfach in den Lift ein, denn hier können Sie das heutige Erlebnis so richtig in Ruhe ausklingen lassen. Aber ich warne Sie, nach einem Tastendruck auf den schwarzen Schlüsselknopf öffnet sich die Tür in die Welt, über die wir hier drinnen – im Großraumbüro von ORF.at – berichten.
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