Es sieht fast so aus wie der Parkplatz eines großen Einkaufszentrums vor Weihnachten, nur fehlen die Menschen. Tausende Autos, rechtwinklig eingeordnet in weißen Bodenmarkierungen, stehen herrenlos und unbenutzt auf einem asphaltierten Gelände. In mehreren Ebenen werden sie in nahegelegenen Parkhäusern zusätzlich verstaut. Doch die motorisierten Vehikel bleiben über Nacht an Ort und Stelle. Auch übermorgen und nächste Woche werden wenige Plätze frei. Die Besitzer sind weit weg, über den Bergen. Ja, sogar über den Wolken. Am Parkplatz des Wiener Flughafens bläst der Wind und es ist äußerst still.
Die Linzer Torte in Wien
Doch nicht weit entfernt stechen die langen Landebahnen aus dem Gras hervor. Sie sind teilweise wie Teigverzierungen einer Linzer Torte angeordnet. Auf ihnen landen Flugzeuge, fahren Shuttlebusse oder spazieren Menschen. Auf dem eigenen Straßennetz herrschen ähnliche Verkehrsordnungen wie außerhalb des umzäunten Bereiches, doch es ist hier problemlos möglich, ohne Autokennzeichen zu fahren.
Fleißige Ameisen
Zu Stoßzeiten geht es auf den Flughafenstraßen jedoch zu wie in einem Ameisenhaufen, in den man gefallen ist. Frachtcontainer gelangen in kürzester Zeit von A nach B. Busse befördern Passagiere vom Wartesaal zur Einstiegstreppe. Catering-Lkws schöpfen Essen aus ihren fahrbaren Töpfen und sorgen für zufrieden vollgetankte Fluggäste. Taschen, Koffer, Rucksäcke und auch sperrige Gegenstände zischen über den Asphalt. Ein “Push-Back”, eine motorisierte Zugmaschine, zieht ein Flugzeug auf den richtigen Platz. Da Flugzeuge keinen Rückwärtsgang haben, sind sie auf deren Hilfe angewiesen. Die Crew einer Maschine fährt mit ihrem silbernen Wagen zur Basis. Flughafenarbeiter transportieren mit ihren “Fumas” weitere Koffer zum Zielort. Jeder scheint hier zu wissen, was seine nächste Aufgabe ist – eine wunderbare Logistik.
Essen mit Flügeln
Alleine die rechtzeitige Lieferung von Essen an das Flugzeug ist erstaunlich. In wenigen Minuten muss ein Flugzeug leergeräumt und wieder mit Delikatessen frisch befüllt sein. Länger als 45 Minuten darf das sogenannte “Drehen” nicht dauern – doch meistens geht es innerhalb einer halben Stunde. Das Catering-Personal muss unter Zeitdruck alles richtig machen. Dafür werden sie auch belohnt. Geheimen Quellen zufolge bleiben nach einem Flug immer gute Leckereien über. Sushi aus Japan, oder einfach nur schwedische Schokokekse. Doch von der offiziellen Regel lässt man sich nicht so leicht abschrecken, denn die lautet: “Was schon einmal in der Luft war, muss verbrannt werden”.
Nachdem also die restlichen kulinarischen Schätze geborgen sind, wird der fliegende Kühlschrank wieder eingeräumt. Zuerst wird die erste Klasse befüllt, dann die zweite. Jede Essens-Box hat eine Nummer, die in den dafür vorgesehenen Schacht geschlichtet wird, damit es das Personal während des Fluges leichter hat. Für alles gibt es einen Zweck, für alles wird gesorgt.
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