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Mozarts Friedhof
17. Dezember 2002

Genau eine Woche vor dem Heiligen Abend beschloss ich, Wien wieder etwas genauer kennenzulernen, und besuchte den Friedhof St. Marx. Das Wetter war für diesen Ausflug genau richtig – es war kalt, die Temperatur pendelte um den Gefrierpunkt, die Stadt war mit frischem Schnee und hellgrauen Wolken zugedeckt. Ohne Schnee wäre es noch viel dunkler gewesen.

Friedhof für 90 Jahre

Der St.-Marx-Friedhof ist der letzte Biedermeier-Friedhof der Welt, steht unter Denkmalschutz und ist nun als Parkanlage für die Öffentlichkeit tagsüber zugänglich. Von 1784 bis 1874 wurde diese von Ziegelmauern umschlossene Anlage als Friedhof genutzt – nach der Errichtung des großen Zentralfriedhofes folgte dessen Stillegung.

Ruhestätte mit Straßenlärm

Das Wort “Stillegung” ist jedoch nicht ganz korrekt, denn genau daneben verläuft eine der Hauptverkehrsadern Wiens – die Südosttangente. Meterhohe, dicke Betonsäulen stützen die Brücke der pulsierenden A23, und dominieren durch Größe und Geräusch den südlichen Teil des Friedhofes. Das jedoch gibt dem Ganzen eine besondere Eigenschaft, die durch die angrenzenden grauen Gemeindebauten, Baustellen und Autohändlerhallen unterstützt wird, aber meiner Meinung nach nicht als negativ zu bezeichnen ist. Schließlich befindet sich dieser Park noch mitten in einer Millionenstadt, das geht halt nicht anders.

Katzenpfoten in den Seitengassen

Aber kahl ist der Friedhof nicht, im Gegenteil: Hunderte Bäume und Sträucher sind über die gesamte Anlage verteilt. Jetzt im Winter schweben die vielen sich verzweigenden Äste über den Gräbern, im Frühling blüht der Flieder, im Sommer funkeln grüne Dächer und im Herbst fallen bunte Blätter. Teilweise sind auch im Dezember noch grüne Flecken zu sehen, auch wenn sie von Schneeflocken etwas angezuckert sind. Da es keine winterliche Wegbetreuung gibt, sind die schmalen Wege durch die Grabstein-Reihen vom Schnee nicht freigeschaufelt. Doch da merkt man, dass hier nicht viele Besucher vorbeikommen – maximal eine Person pro Stunde trifft man an. Nur auf den Hauptrouten ist der Schnee von Fußabtritten zusammengedrückt, “Seitengassen” haben höchstens Katzenpfotenabdrücke. Manchmal traut man sich gar nicht, einen “neuen” Weg im Schnee anzufangen, denn einige Augen sind immer auf Gäste gerichtet. Die schwarzen Krähen, über den ganzen Friedhof verteilt, sitzen auf den Bäumen und kommunizieren untereinander – manchmal von Vogelgezwitscher der Kohlmeisen untermalt.

Grabsteine in Bewegung

Am Eingang ist ein Schild mit einem Lageplan und einer Namensliste aufgestellt. Aufgeschlüsselt nach Berufen finden sich hier prominente und unbekannte Personen vereint. Komponisten, Industrielle, Kupferstecher, Nonnen, Offiziere – das sind nur einige Berufsgruppen der Tafel. Die Grabsteine sind reihenweise in einer Linie aufgestellt, außer wenigen Ausnahmen sind die Gräber nicht eingezäunt. Während an einigen Grabstellen nachdenkende Engel und betende Heilige stehen, sind andere ganz schlicht und einfach gehalten. Manche Grabsteine haben bereits das Gleichgewicht verloren und liegen zerbrochen auf dem Boden, die steinernen Statuen werden von der Zeit zerbröselt.

“Unvergesslich”

Besonders interessant ist es, die Inschriften zu lesen und sich Gedanken über die Personen zu machen. Der Grabstein von Frau Winter ist mit Schnee zugedeckt, die Schrift des Hofbuchhalters entspricht genau der Norm, das Grab des Oberleutnants nähert sich immer mehr der perfekten Tarnfarbe, der Grabstein der 20-jährigen Gattin des Schokoladefabrikanten ist schön verziert. Sprüche wie “still und einfach war ihr Leben, treu und thätig ihre Hand. Ruhig ihr hinüberschweben in das beste Vaterland” oder große Worte wie “Unvergesslich” oder “Wiedersehen” können Besucher noch sehr gut erkennen.

Mozart

Das berühmteste, bunteste, aber auch einsamste Grab des St.-Marx-Friedhofs gehört dem Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Österreichs berühmtester Musiker wurde hier 1791 in einem Armengrab beigesetzt. Lange Zeit war der Ort seines Grabes nicht bekannt, erst 1855 wurde dessen Lage mit “größter Wahrscheinlichkeit” festgestellt.


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Fotos Heimreise

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