Bei einem guten Tee saß ich Samstagabend und blätterte die österreichische Tageszeitung “Die Presse” durch. Da entdeckte ich einen Artikel in der Sonderbeilage “Vienna DC Report“, einen vierseitigen Text der Wiener Entwicklungsgesellschaft für den Donauraum, bei dem neue Hochhausprojekte nahe der UNO-City in Wien präsentiert werden. Unter anderem findet sich hier ein Artikel mit dem Titel “Als Wien international wurde”, der über die Geschichte der UNO-City informiert.

Als Einleitungssatz steht da: “Mit der Eröffnung der UNO-City setzte Wien vor einem Vierteljahrhundert das für lange Zeit sichtbarste Zeichen einer Weltöffnung”. Hmmm. Das sichtbarste Zeichen einer Weltöffnung. Diese Wortkombination kam mir bekannt vor – sehr bekannt sogar. Also blätterte ich in meinem für ORF.at verfassten Artikel über die UNO-City nach. Siehe da, mein Einleitungssatz beginnt mit “Ein Vierteljahrhundert ist es her, seit Wien das für lange Zeit sichtbarste Zeichen einer Weltöffnung setzte.” Der Vergleich geht weiter. Die Formulierung “…veränderte der markante Gebäudekomplex das Stadtbild von Wien und läutete die weitere Bebauung des linken Donauufers ein” kam mir auch sehr bekannt vor. In meinem Text heißt es: “Das markante Hochhaus am linken Donauufer veränderte das Stadtbild von Wien und läutete spätere, aus heutiger Sicht wichtigere Bauprojekte in diesem Entwicklungsgebiet ein.” Markant, Stadtbild von Wien, läutete ein. “Die Baukosten in der Höhe von acht Milliarden Schilling (580 Mio. Euro) teilten sich Bund (65 Prozent) und die Stadt Wien (35 Prozent).” steht bei mir. Danach, ich kann mich noch genau erinnern, schrieb ich: “Kritiker sahen darin vor allem eine Geldverschwendung.” Und was lese ich in diesem durchdesignten Artikel? “Kritiker sahen darin vor allem eine Geldverschwendung.” Hmmmm.

Aber das war noch nicht alles. Finde die Unterschiede der Sätze zwischen meinen Zeilen “Am 23. August 1979 wurde das VIC schließlich den Organisationen und dem damaligen UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim übergeben. Die symbolische Jahresmiete beträgt nur einen Schilling (0,07 Euro) – für eine Laufzeit von 99 Jahren.” und denen aus der Zeitung “Am 23. August 1979 wurde das Vienna International Center den UN-Organisationen und dem damaligen UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim übergeben. Die symbolische Jahresmiete beträgt einen Schilling (0,07 Euro) – für eine Laufzeit von 99 Jahren.” Es ist schon schön und es ehrt einen sogar, in einer bezahlten Beilage einer Tageszeitung die eigenen Worte wiederzufinden. Aber ohne Quellenangabe das so ziemlich 1:1 zu übernehmen ist schon etwas peinlich.
Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen
Schreibe einen Kommentar!