Wie schön, dass es den deutschen Schriftsteller Max Goldt doch jedes Jahr nach Österreich zieht. Zwei bis auf die letzten Plätze ausverkauften Lesungen im Wiener WUK sprechen da für sich. Max Goldt, ein wortgewandter Autor, der seine Gedanken und Beobachtungen des Alltags in farbenprächtige Texte verpacken kann, entfaltete diese erneut mit seiner wunderschön beruhigenden Stimme. Er sprach über Mortadella unter dem Frühstückstisch bei seiner einwöchigen Reise nach Malta, warnte vor den Belägen an Bierflaschenhälsen, klagte über die Fernbedienungstastenabdrücken auf seiner Wange und erzählte über Menschen, die beim morgendlichen Zähneputzen mit ihrer Elektrozahnbürste mangels eines Fensters im Bad durch die Wohnung spazieren. Stunden hätte ich noch zuhören können bei seinem Vortrag – und mit ziemlicher Sicherheit auch all die anderen Gäste, die den ganzen Abend hindurch schmunzelten, lachten und klatschten. Eine gewisse Konzentration ist gefordert, den Schachtelsätzen und Ausflügen in anderen Themenbereichen zu folgen, aber Goldt bringt einen natürlich wieder zurück an den Ausgangspunkt. Viele Texte aus dem heurigen Jahr waren dabei, aber auch zwei Klassiker.

Abseits der Texte, die er wunderbar vortrug, wirkte er jedoch ein bisschen müde an diesem Abend. Den Zugabetext, der natürlich bereits vorbereitet war, trug er wenige Sekunden, nachdem er kurz von der Bühne verschwunden war, sofort wieder vor. Er wies mit einem kleinen Unterton darauf hin, dass es auch diesmal das Ritual der Buchsignierungen fünf Minuten nach der Veranstaltung geben wird. Und beim Signieren näher betrachtet, ließ er doch irgendwie seine Müdigkeit erkennen. Einen schönen Abend wünschte ich, “Ihnen auch”, Max Goldts Antwort. Ich komme sicher beim nächsten Mal wieder.
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