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Eine Melange im Cafe BAWAG
11. März 2007

Einladender kann ein Kaffeehausname in diesen Zeiten hier in Österreich gar nicht sein. Wer an einem wunderschönen, frühlingshaften und sonnigen Sonntagnachmittag zu zweit durch Schönbrunn spaziert, wird sich spätestens beim Vorübergehen am menschenüberfüllten Haupteingang des Zoos nach Ruhe und einer zuckerreichen Torte sehnen. Nein, ich meine nicht das mit drei Reisebussen gefüllte Gloriette-Cafe, sondern das Cafe BAWAG in Hietzing. Auch wenn es seit letzten Oktober nicht mehr der BAWAG selbst gehört (dem neuen Betreiber gehören unter anderem auch sämtliche Häagen-Dazs-Cafes in Österreich, alle 24 Mitarbeiter konnten bleiben), wird man bei Melange-Preisen um drei Euro pro Tasse dennoch nicht enttäuscht sein. Hietzinger Preise, aber auch Hietzinger Menschen.

Auf etwa zehn Quadratmeter im Erdgeschoß findet man trotz der Raumgröße mit acht anderen Personen Platz. Nur beim Aufstehen oder Hinsetzen müssen Marmortische mit Hirnschmalz so verschoben werden, dass ein zehn Zentimeter breiter Gang von und zur Tortenvitrine übrig bleibt. Wer keine kleinformatigen Sonntagszeitungen oder die neuen Sparzinsangebote auf der Rückseite der Speisekarte lesen will, der ist mit einem Blick in die Menschenmenge um sich gut beraten. Schließlich wird ein leerer Platz innerhalb einer Minute wieder von einer neuen, interessanten Person besetzt.

In meinem Fall hätten wir die Frau, die auf sechs Seiten einen persönlichen Brief handschriftlich an ihren Bekannten aufsetzt, während die alte Frau daneben am Tisch immer wieder einen Blick darauf wirft. Den alten Mann, der gleich beim Niedersetzen seine Melange und seinen Himbeerkuchen bekommt – so wie jeden Sonntag. Die Eltern mit ihren beiden Töchtern, wo der Vater erklärt, warum Angelina Jolie Angelina Jolie heißt und was eine Jungfernfahrt sei. Und ein weiterer älterer Herr, der mit seinem Wunsch, einen freien Platz zu bekommen, weit reichende Diskussionen in der Menge auslöst, und sich schließlich drei Mal in einer Viertelstunde umsetzt.

Durch die fantastische Lage gleich am Westausgang von Schönbrunn einerseits und dem braun-kupfernen BAWAG-Logo andererseits, das sich schon über ein Jahr lang skandalbedingt ins negative Bewusstsein vieler Menschen eingebrannt hat, wird es noch lange ein Geheimtipp bleiben. Zahlt sich aus, auch wegen der Esterhazy-Torte.

Augenblick

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