Frühmorgens im “ICE Superfund” von Linz nach Wien. In einem offenen Abteil setzt vor mir ein Mann seinen mehrmals unterbrochenen Morgentraum schnarchend fort – hinter mir stellt ein Kind mit seinem Spielzeugtraktor einen Schottergrubenabbau eins zu eins am Zugsessel nach. Nebenan sitzen zwei Geschäftsmänner im Business-Anzug und unterhalten sich. Nach mehrmaligen Versuchen, mich in mein Buch zu vertiefen, höre ich dann doch dem Gespräch der beiden älteren Männer zu und steige beim Familienthema ein. “Wie funktioniert denn das bei Ihnen mit Familie und Kanzlei?” Offenbar sind beide Männer stolze Besitzer von oberösterreichischen Anwaltskanzleien. Ich erfahre, dass der Sohn des Herrn A ein Semester lang Geschichte studiert hat, es ihm dann zu langweilig wurde und er nun Jus studiert. “Er spielt Schlagzeug und ist sehr kreativ… Sie wissen, was ich meine. Ich bin schon gespannt, ob er dies lange durchhält.” Herr B nickt ihm zu und erfährt außerdem, dass Herr A auch noch eine Tochter habe: “Sie ist jetzt Regieassistentin in Köln und will sich jetzt selbstständig machen.” Zu Herrn B und meiner Überraschung stellt sich heraus, dass er auch noch ein drittes Kind hat – “Sie studiert derzeit Medizin.” Mit diesen Informationen gefüttert, fühlt sich Herr B natürlich verpflichtet, zu antworten: “Also leicht haben es die Jüngeren heutzutage nicht”. Herr A und ich nicken. “Mit einer einzigen Berufsausbildung kommt man nicht mehr weit, da braucht es mehr.” In den nächsten Minuten erfahre ich dann beinhart, wie locker und lustig es damals zugegangen ist – während der Studienzeit der beiden Herren. “Das kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen”, so Herr B, der es eigentlich wissen muss. Dann aber schließt eine Einsicht das Familienthema ab: “Wenn man solche Dinge Revue passieren lässt, muss man leider feststellen, wie alt man schon ist.”
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