Die Jahre vergehen wie im Flug – nur noch bruchstückhafte Erinnerungen aus der Kindheit sind uns erhalten, die wir nun teilweise aus anderen Blickwinkeln betrachten und mit Erfahrungen der darauf folgenden Jahre ergänzen. Der Fluss des Lebens scheint stets zu fließen – ein Fluss, den wir an einer Stelle betreten und an einer anderen wieder verlassen. Es gibt Stellen im Fluss, die nur unsere Großeltern kannten und nur unsere Kinder kennen werden. Es sind jedoch die Überschneidungen der verschiedenen Generationen, die uns immer wichtiger werden – die Flussabschnitte, die wir gemeinsam durchschwimmen.

Der österreichische Autor Arno Geiger erzählt in seinem Buch “Es geht uns gut”, das momentan zu Recht weit vorne in den Besteller-Regalen der Buchgeschäfte steht, über eine Wiener Familie von Beginn des Zweiten Weltkriegs bis Anfang des 21. Jahrhunderts. Dabei springt er von dem Jahr, als Philipp von seiner Großmutter eine alte Villa geerbt hat, immer wieder zurück in die Vergangenheit: Wie sein Großvater den Beginn des Krieges erlebt hat, sein Vater das Ende, die gemeinsame Zeit von Großeltern und Eltern, aber auch die Generationen übergreifenden Situationen, die ohne Konflikt nicht auszukommen scheinen. Von Kapitel zu Kapitel, von Tag zu Tag, wird die Familiengeschichte immer verständlicher. Offene Fragen in dem einen Jahrzehnt werden meist mit Antworten des anderen Jahres gegenübergestellt. Es geht um Abneigung und Liebe, Tod und Geburt, Krieg und Frieden, Fehlschlag und Erfolg, Skepsis und Vertrauen – eingebettet in eine außerordentlich schöne Sprache, die eine beinahe acht Jahrzehnte andauernde Familien- und Zeitgeschichte gekonnt zu vermitteln vermag. Sehr empfehlenswert.
Geiger, Arno (2005): Es geht uns gut. Roman, Hanser: Wien.
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