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Gewaltsame Schlagzeilen
11. August 2007

Heinrich Böll beginnt in seiner Erzählung “Die verlorene Ehre der Katharina Blum” mit folgendem Vorwort: “Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der “Bild”-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich. ” Diese Zeilen haben natürlich ihren Grund.

“Eiskalt und berechnend”

Die Hausangestellte Katharina Blum ist 27 Jahre alt und verliebt sich beim Kölner Karneval in einen Mann. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass er von der Polizei gesucht wird. Katharina Blum wird verhört. Währenddessen macht sich eine Boulevardzeitung über sie her. Bekannte, Arbeitgeber und Nachbarn werden interviewt. Die Aussagen, die dann auch noch von “klug und kühl” auf “eiskalt und berechnend” umformuliert werden, dienen als Quellen für seitenweise Berichterstattung. Verleumdungen und Verdächtigungen werden ausgestreut.

Alles nur “Artikulationshilfe”

Andere Zeitungen berichten distanziert von diesem Fall, doch dadurch, dass diese Zeitung enorm viele Leser bestimmter Schichten anspricht, wird dadurch die Meinungsbildung der Öffentlichkeit stark geprägt. Der Reporter rechtfertigt sich, dass er durch das Umformulieren nur einfachen Menschen Artikulationshilfe geben möchte und verweist auf die zu achtende Pressefreiheit im Zusammenhang mit der Berichterstattung über “Personen der Zeitgeschichte.”

“Terroristen-Roman”

Heinrich Böll stellt in seiner Erzählung zwar selbst fest, dass in dieser Geschichte zu viel passiere, dennoch beschreibt er eindrucksvoll, was rücksichtslose Medien anstellen können, wie Menschen, ohne Rücksicht auf tatsächliche Beweise, als Mörder bezeichnet werden, und “wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann.” Letzteres ist auch der Untertitel dieses Buches. In einem Nachwort nimmt Böll zehn Jahre nach der Veröffentlichung der Erzählung Stellung und berichtet, welche Reaktionen sein als “Terroristen-Roman” bezeichnetes Werk in den 70er Jahren ausgelöst hat. Auch die “Bild”-Zeitung fand damals offenbar Methoden, sich dafür zu revanchieren.

Böll, Heinrich (2002) [1974]: Die verlorene Ehre der Katharina Blum. Oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann, dtv: München.

Rückblick

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