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Zu Gast bei der Zensurbehörde Chinas
4. Oktober 2007

Schon Mao Zedong machte auf den vermeidbaren Fehler aufmerksam, keine Zahlen über etwas im Kopf zu haben, wenn man mit jemandem spricht. Drei Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und China reiste der damalige österreichische Außenminister Rudolf Kirchschläger 1974 nach Peking, entdeckte diesen Hinweis und studierte noch während der Anreise österreichische Wirtschaftsdaten. 2007 verfolgte ich in Peking ein Gespräch der chinesischen Staatsverwaltung für Radio, Film und Fernsehen, die neben der Organisation und Planung dieser Medien auch als “Zensurbehörde” des Landes zuständig ist. Als mir eine Broschüre von “SARFT” – die Kurzform dieser Behörde – überreicht wurde, wurde auch hier dieser Fehler vermieden.

2,25 Mio. Kilometer Kabel, 500 Mio. Fernseher

Dutzende Zahlen fanden sich über die Anzahl der Fernsehstationen (302) im Land, der Radioprogramme (2.306), der jährliche Durchschnitt an Fernsehprogrammen (12.591.300 Stunden), Satellitenstationen (33), Satellitentransponder (41), die Länge des Kabelfernsehkabels (2,25 Millionen Kilometer), die Anzahl der Kinoketten (36), und dass in China 95,81 Prozent der Bevölkerung Fernsehen empfangen können. Auch die einleitenden Worte der zuständigen Leiterin beinhalteten einige Zahlen: Es gibt 500 Millionen Fernseher in China, 400 Millionen Radios, 80.000 Minuten Zeichentrickfilme wurden produziert. Derzeit ist China, so wie Österreich, mit der Umstellung von analogem auf digitales Signal beschäftigt. 25 Städte wurden bereits umgestellt – die Empfangsgeräte werden laut SARFT im Gegensatz zu Österreich den Familien kostenlos zur Verfügung gestellt.

SARFT: “Man wird bestrafen”

Aber wenden wir uns ab von diesen Ziffern und Daten und hören wir der SARFT-Vertreterin weiter zu: “Das Ministerium SARFT kontrolliert die Inhalte, die Sender liefern. Es gibt verschiedene Betreiber. Sie müssen natürlich die Regelungen des Ministeriums befolgen. Falls gesetzeswidrige Inhalte vorkommen, wird man bestrafen.” Zuerst wird eine Warnung ausgesprochen, darauf folgt ein landesweit veröffentlichtes Warnungsschreiben. Wenn das nicht greift, wird die Sendung für drei Monate verboten.

Sie spricht weiter darüber, dass es für Kinder und Jugendliche “viele neugierige Inhalte” gäbe, die aber “nicht unbedingt gut für ihr Aufwachsen” sind. Um dem entgegenzuwirken möchte China “durch verschiedene Maßnahmen dies verwalten und einschränken, aber auch nicht fest beschränken.” Hier sei zu bemerken, dass diese Art der Zensur auch auf das Internet übergeht. Wikipedia, Amazon und andere Websites sind von China aus nicht zu erreichen. Google ist nur eingeschränkt verwendbar. Das Land setzt also doch sehr harte Maßnahmen, die wir uns hier in Europa nicht vorstellen können.

Eltern schrieben Beschwerdebriefe

Als Beispiel eines Eingreifens der Behörde SARFT nennt sie die Sendung “China sucht den Superstar” – ähnlich aufgebaut wie “Starmania” hierzulande. Sie betonte, dass SARFT nicht von sich aus eingegriffen habe, sondern viele Anregungs- und Beschwerdebriefe aufgebrachter Eltern bekommen hat, und erst deshalb eingriff und die Sendung nicht mehr landesweit ausstrahlen ließ. Die Jugendlichen würden die Schule und ihre Pflichten vernachlässigen. Um diesem Fieber entgegenzuwirken wurde die Sendung nur noch lokal gesendet, wobei der Star des Landes bei einer einzigen landesweiten Show am Schluss gewählt werden darf.

“Einseitige Sichtweise von Europäern”

Dass China auf die Nachrichtensendungen des staatlichen Fernsehens CCTV, des staatlichen Inlands- (CNR) und Auslandsradio (CRI) eingreift, wies sie klarerweise zurück, was sollte sie als offizielle Vertreterin schon anderes sagen: “Welche Nachrichten von den Sendern gesendet werden, wird von der Redaktion des Senders selbst bestimmt. Sie haben einen Chefredakteur, er wird das letzte Wort haben.” Auch zum Thema Pressefreiheit nahm sie Stellung: “Das ist wirklich eine einseitige Sichtweise von Europäern. In China genießt man natürlich schon Pressefreiheit. Das gilt sowohl für chinesische, als auch ausländische Journalisten, die nach China kommen.” Es sei für sie deshalb wichtig, dass objektiv, detailliert und umfangreich über China berichtet werde: “Man kann über ein Land nicht immer negativ berichten und schon mit Vorurteilen hierher kommen.”

Also auf nach China! Es kann aber sein, dass ein nicht ganz objektives Bild entsteht, da nicht alle Winkel betrachtet werden dürfen. SARFT ließ dieses Jahr zum Beispiel eine 10-Minuten-Sequenz aus “Fluch der Karibik 3″ entfernen, die chinesische Regisseurin Li Yu musste 53 Szenen ändern, damit sie ihren Film “Lost in Beijing” exportieren und auf der heurigen Berlinale zeigen durfte. Schauspieler Brad Pitt darf in seinem Leben nie wieder nach China einreisen, weil er im Film “Sieben Jahre in Tibet” mitgewirkt hat.

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Audios Fernreise

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