Nach vielen tausend Flugkilometern wurde ich am Abend meiner Ankunft in Beijing von den Kollegen von China Radio International zu einem Festessen eingeladen. Und zwar zu einer Pekingente. Von außen schreckt das mehrstöckige Restaurant mitsamt seinem Trubel etwas ab. Dafür fand sich in einem eigens angemieteten Raum die nötige Ruhe, um dem Gaumen Freude zu bereiten.

Im Hepingmen Quanjude Roast-Duck Restaurant, das angeblich bis zu 2.000 Gäste gleichzeitig betreuen kann und das größte in ganz Asien ist, dinierten seit dessen Gründung im Jahr 1864 schon viele Menschen. Viele Staatsgäste aßen hier Pekingente: Henry Kissinger, Kim Jong Il und George Bush. Hintereinander, nicht gemeinsam.

Ob diese Gäste wohl auch eine Urkunde bekommen haben, so wie ich? Und zwar habe ich die Pekingente Nummer 477085 gegessen. Seit 1864 werden die servierten Enten nummeriert. Ich hätte noch stundenlang weiteressen können, aber durch die vielen leckeren Vorspeisen, die erst einmal mit Stäbchen erfolgreich Richtung Mund geführt werden müssen, wurde ich ziemlich schnell satt. Mir machte es seltsamerweise auch nichts aus, dass ich, ohne es zu wissen, Entenfüße verspeist hatte.

Die Ente braucht etwa 45 Minuten, bis sie fertig ist. Dann tritt der Koch höchst persönlich in den Raum, zerlegt sie und lässt die Ente von Damen in roten Kleidern auf vielen Tellern an den Tisch mit der großen gläsernen Drehscheibe in der Mitte servieren. Ein kulinarisches Erlebnis! Natürlich ganz anders als in europäischen China-Restaurants. Viel, viel besser!
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