Changyuan Wang fährt schon seit über 30 Jahren mit der Bahn. Dienstlich. Als Linienleiter der über 4.000 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Peking und Lhasa ist er stets sechs Tage durchgehend unterwegs und hat dann neun Tage frei. Diesmal hat er sich extra die Zeit genommen, sich in den Speisewagen zu setzen und Fragen rund um die seit Sommer 2006 betriebene, höchst gelegene Bahnstrecke der Welt zu beantworten. Während er das Projekt als einen “chinesischen Beitrag zur Welt” bezeichnet und die Eigenheiten der Tibet-Bahn aufzählt, gleitet der Zug sanft dahin. Wie in einem Flugzeug werden Abfall und Abwasser in einem geschlossenen System gesammelt und Sauerstoff in den Fahrgastraum hinzugefügt. Zusätzlich gibt es auf jedem Platz eine eigene Sauerstoffversorgung – schließlich fährt der Zug einen Großteil der Strecke stets über 4.000 Meter Seehöhe und passiert bei 5.072 Meter Seehöhe den höchst gelegenen Bahnhof. Fast keine Fahrgäste haben seit dem Betrieb der Bahn eigenen Sauerstoff gebraucht, fügt er hinzu. Schließlich kümmere man sich um die Mitreisenden und um das Sauerstoffsystem. Über 20 Konzepte für unerwartete Fälle seien erarbeitet worden, das Personal sei dafür geschult, versichert Herr Wang. Mit einer maximalen Steigung von drei Promille steigt der Zug den Berg empor, und zieht zwei Schlafwägen, acht Liegewägen, vier Sitzwägen und einen Speisewagen mit sich. Etwa 40 Euro kostet ein Sitzplatz von Chinas nach Tibets Hauptstadt. 80 Euro der Liege- und 120 Euro der Schlafwagen. In der Hochsaison zwischen Juli und September sei der Zug immer voll – die vielen Tibet-Touristen fehlen dann etwas im Winter. Nicht alle Fahrgäste tun sich die zweitägige Fahrt an, sondern steigen erst in einer der sieben Stationen zu. Und nicht alle haben Lhasa als Ziel. Wer jedoch die Nacht im Zug verbringt, wird kurz nach 7 Uhr mit Fahrstuhlmusik geweckt. Schließlich gibt es ja auch einiges zu sehen. Die Bahnlinie zeige die “Tapferkeit” der Chinesen, so der Zugchef. Die Tapferkeit der Bahnreisenden wird dann unter Beweis gestellt, wenn das Gesundheitsformular auszufüllen ist. Hier wird vorausgesetzt, dass vor der Reise eine ärztliche Untersuchung stattgefunden hat. Menschen mit Herzkrankheiten, Herzschlägen über 100 pro Minute, Blutkrankheiten, Gehirnkrankheiten, Lungenkrankheiten, Epilepsie, über 38 Grad Körpertemperatur und hochschwangere Frauen müssen zuhause bleiben. Stehplätze gibt es aus gesundheitlichen Gründen ab einer bestimmten Höhe nicht mehr. Der Zug mit der Nummer T27 fährt noch immer, ohne Pause, ohne Zwischenfall und erreicht den Zugendbahnhof pünktlich. Die 40 Mitarbeiter des Zuges können aufatmen – auf 3.600 Meter Seehöhe. Alle haben das Dach der Welt erreicht. Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


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