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Neue Medien für China
4. Dezember 2007

Es ist ein nobler Konferenzraum in einem der vielen Shanghaier Wolkenkratzer, den der Vizepräsident des zweitgrößten Medienunternehmens Chinas betritt. Auf einem großen, mit Blumen geschmückten, roten Teppich sind etwa ein Dutzend weiße Lederstühle, schwarze Beistelltische und einige Topfpflanzen im Kreis aufgestellt. Angrenzende Hochhäuser blicken durch die großen Glasscheiben. Ein schwarzer Reiter steht am Fensterbrett, die Vorhänge sind geöffnet. Hier empfängt Herr Lin Luohua seine Gäste.

Er hat sich extra mehr als 30 Minuten Zeit genommen, Fragen zur “Shanghai Media Group” (SMG) zu beantworten. Mit 13 Fernseh-, zwei Satelliten-, 11 Radio- und 16 Pay-TV-Kanälen ist die staatliche SMG die zweitgrößte Mediengruppe Chinas. Gemeinsam mit China Telecom und China Netcom sendet sie ihre Programme auch via Internet, IPTV und Handys an ihre Zielgruppe, die “Mittelklasse” der Chinesen. Mobile-TV birgt neue Herausforderungen – Herr Lin erklärt dies ziemlich oberflächlich.

Da die Verknappung ein wesentlicher Faktor für den mobilen Fernsehmarkt sei, versucht die SMG kürzere als im “normalen” Fernsehen übliche Serien zu entwickeln. Niemand hätte unterwegs die Zeit, eine Stunde lang auf sein Mobiltelefon zu blicken. Beliebt seien vor allem Familienserien, deren “Entstehung vom Bedürfnis des Marktes bestimmt” seien und dem “Geschmack der Zuseher entsprechen” würden. Welche Sendung am meisten gesehen wird, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich.

Neben den Nachrichten dominiert 2007 eine Serie über den Verlauf einer Ehe seit den 1960er Jahren. Meinungsforschungsinstitute ermitteln den Geschmack – für SMG werden angeblich nur 500 Familien aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten Shanghais herangezogen. Diese nicht öffentlichen Umfrageergebnisse der 500 Familien fließen in die Gestaltung der Sendungen für die Stadt ein, obwohl Shanghai mehr als 13 Millionen Einwohner mit ständigem Wohnsitz aufweist. Herr Lin bestätigt, dass dies so sei und verweist auf ein in der Medienbranche übliches Betriebsgeheimnis.

Ein offenes Geheimnis ist jedoch, dass auch China an jungem Fernsehpublikum verliert. Neben Kindern sehen vor allem Menschen zwischen 45 und 65 Jahren fern. Chinesische Frauen mehr als chinesische Männer. Die neuen Medien sollen diese Verluste wieder wettmachen. Konkurrenz ist momentan nicht in Sicht. In China gibt es kein Privatfernsehen: “Bis jetzt hat das Gesetz für Privatfernsehen noch kein grünes Licht gegeben, jedoch sehen wir in naher Zukunft eine Chance”, so die Antwort des Vizepräsidenten. Die Frage, ob er darüber konkreter etwas wisse, konnte er nur mit einem “ich weiß nicht genau” beantworten.

Die Zukunft wird zeigen, ob China sich auch hier weiter öffnet. Shanghai scheint auf jeden Fall ein Tor zum Westen zu sein. In der Eingangshalle findet sich ein Poster der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen, die im September 2007 in China stattfand und von der SMG übertragen wurde.

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Audios Fernreise

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