Wir befinden uns im Zentrum Shanghais, genauer gesagt im inneren Stadtbezirk Luwan, in der Ruijin-Erlu-Straße. Als die kolonialen Arme Europas bis nach China reichten, hatte sich hier die französische Konzession befunden. Heute ist dieser Bezirk vor allem für seine guten Wohnbedingungen im Vergleich mit anderen Stadtteilen der chinesischen Industriestadt bekannt. In dem dort gebauten Kulturzentrum warten bereits zahlreiche Chinesen auf den angekündigten Medientermin und präsentieren das Zentrum von seiner besten Seite. Es soll Platz bieten für Jung und Alt, für Leseratten und Computerfreaks, für Theaterbesucher und Tänzer, für Gesang und Instrumentalmusik, für Tischtennisspieler, Radio-, Telefonwertkarten- und Figurensammler. Eine Türe wird geöffnet, die Gruppenleiterin bewegt den Dirigentenstab und die Menschen beginnen zu singen. Im Leseraum lesen Menschen, im Tanzraum halten sich Paare in den Händen. Das an diesem Tag dargestellte Idyll scheint fast viel zu unreal zu sein – in Ländern wie Österreich müsste man schon sehr lange danach suchen.
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