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19. Mai 2008
EM-Party im Weltkulturerbe

Let’s go narrisch am Maria-Theresien-Platz. Absperrgitter mit Plakaten euphorischer und geschminkter Fußballfans aus österreichischen Dörfern versuchen lautlos Stimmung in die Stadt zu bringen. 20 Tage sind es nicht einmal mehr bis zum Beginn der Fußball-EM. In etwa fünf Wochen ist das Spektakel wieder vorbei und in Österreich und der Schweiz kehrt wieder Ruhe ein. Hoffentlich.

Angesichts der zahlreichen, unverdaulichen Fußballprodukte (Fußballbrot, -burger und Co. eben ausgenommen) wird uns diese EM jedoch zumindest bis in den nächsten Sommer noch begleiten, wenn die heuer gekauften Grillroste nächstes Jahr wieder Steaks im Fußball-Design produzieren und die Strandtücher an der Adria im Österreich-Fahnen-Look erneut an die freie Luft kommen. Über den Winter werden diese Artikel wohl am Platz der Plastik-Weihnachtsmänner verstaut, die in der kalten Jahreszeit gerne abgemagert an Leitern auf Balkone und an Hauswänden empor klettern. Wie bei der Gewinnung von Atomstrom hat man hier den Entsorgungsfaktor vernachlässigt. Doch schon vor der EM gibt es Probleme. Das Image des alpenländlichen Österreichs ist angeknackst – die Süddeutsche Zeitung heute auf der Titelseite in ihrer täglichen Kolumne über die EM-Austragungsländer Schweiz und Österreich bringt es auf den Punkt: “Die Menschen hocken entweder in Banken oder in Verliesen.”

Darüber hinaus gibt es Kritik an den Sicherheitskräften und Organisatoren. Eine angemeldete Demonstration mit 80 Personen am Wiener Ring legte vor einigen Tagen einen Großteil des Wiener Innenstadtverkehrs lahm. Anrainer der umliegenden Bezirke der Fanzone und des Stadions fürchten um ihr Leben und sehen vollgeparkte Straßen. Hotelbetreiber und Fußballcampleiter fürchten um ihr Einkommen und sehen leere Betten. Offizielle Terroristenanschläge sind ebenso gefürchtet wie inoffizielle Feiern in der Innenstadt. Wien wartet bange auf die aus Plastikbechern trinkenden Fußballfans und den anschließend erhofften Tourismusboom. Wir werden sehen, wie die Party im Weltkulturerbe ausgeht, und hoffen darauf, dass es den EM-After-Party-Kater-Koffer mit Orangensaft, Hering und sauren Gurken auch Ende Juni noch zu kaufen gibt.


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