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Ein globales 1968
2. Juli 2008

Im Jubiläumsjahr der 68er werden zahlreiche Jubelbücher an den Leserstrand geschwemmt. Vierzig Jahre sind noch nicht so lange her und viele der Menschen, die 1968 damals miterlebt hatten, erinnern sich nun gerne in verschiedensten Blickwinkeln öffentlich daran. Doch es finden sich auch Autoren, die an das Thema 1968 in einem sachlichen, umfassenden und gleichzeitig auch überblicksartigen Weg herangehen. Norbert Frei ist einer davon. Der Autor des Buches “1968. Jugendrevolte und globaler Protest” hat das Jahr zwar selbst miterlebt, doch war er damals 13 Jahre alt – eine scheinbar gute Voraussetzung für einen objektiven Zugang.

Frei blickt zu recht nicht nur auf das Jahr 1968 selbst, schließlich war 68 auch schon viele Jahre vorher präsent und strahlt seine Wirkung bis heute aus. Die Wurzeln liegen weit zurück, in Deutschland war der Generationskonflikt ein Thema – ein Konflikt zwischen den jungen Studenten und dem “Establishment”, das nach dem Zweiten Weltkrieg großteils wieder die gewohnten Positionen einnehmen konnte und über seine Vergangenheit im Nationalsozialismus schwieg. Dies betraf Professoren und Politiker als auch Väter. Protestmethoden fließen aus den USA nach Europa – Sitzstreiks (Sit-ins) werden angereichert mit Teach-ins, Vorträge und Diskussionen zu Themen, die die junge Welt bewegen. Fernsehbilder und Berichte informieren über den aussichtslosen Krieg der US-Amerikaner in Vietnam, oder formen Helden der 68er-Bewegung wie Rudi Dutschke oder Daniel Cohn-Bendit. 1968 war überall – sogar im Ostblock war der Wunsch nach Veränderung groß. Der “Prager Frühling”, ausgelöst durch ausgearbeitete Reformwünsche unter Alexander Dubcek, wird im August 1968 durch Truppen des Warschauer Pakts beendet. Die Zensur eines Theaterstückes in Polen löst Proteste aus. Ja sogar in Japan kommt es zu heftigen Straßenschlachten mit der Polizei. In der “Nacht der Barrikaden” in Paris brennen Autos, fliegen Pflastersteine, Arbeiter verbünden sich mit Studenten und treten in den Generalstreik. Das Buch versucht, einen Überblick auf diese zahlreichen Vorfälle zu geben, führt in die 68er-Bewegungen vieler Länder ein, und bietet im Anhang auf fast 40 Seiten Quellenverweise zum weiteren Nachlesen. Ein Buch für alle, die 1968 nicht erlebt haben – und ein Buch für alle, die 1968 nicht nur aus ihrer Sicht kennenlernen wollen. Österreich bleibt unerwähnt, aber die wenigen “Aufreger” wie die Aktion “Kunst und Revolution” an der Universität Wien können aus globaler Sicht ruhig ausgeblendet werden.

Frei, Norbert (2008): 1968. Jugendrevolte und globaler Protest, dtv: München.

Rückblick

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