Zhang Youdai ist einer der ältesten DJs in China. Er wuchs in Zeiten der Kulturrevolution Maos auf – einer Zeit, in der Musik bis auf acht “revolutionäre Opern” verboten war. Mit der wirtschaftlichen Öffnung Chinas Ende der 1970er Jahre kam auch Musik aus dem Westen in das Land. Zunächst klassische Musik wie Mozart, dann aber auch die Beatles und in den 1990er Jahren elektronische Musik. Nach einer Zeit der Isolation versuchte China wieder mit der Welt in Kontakt zu treten. Zhang Youdai legte damals verschiedene Musikkassetten auf und wurde dafür bekannt. Erst ein Student aus dem Westen wies ihn darauf hin, dass er ein DJ sei. Das Buch “Wenn Mao das wüsste” von Janis Vougioukas, einem Journalisten der Süddeutschen Zeitung, führt mit außergewöhnlichen Biographien in diese bemerkenswerte Verwandlung des Reichs der Mitte ein.

Trotz 1,3 Milliarden Einwohner sprechen diese 23 Geschichten für viele im Land, ein Land zwischen Tradition und Moderne, zwischen Heimweh und Sehnsucht. Es erzählt über die Flucht nach Hongkong, die Rückkehr in die Volksrepublik, von dem Weg aus der Landwirtschaft in die Fabriken, über die architektonische und geschichtliche Entwicklung Shanghais, über von der Polizei verfolgte Blogger, über betrügende Ehemänner verfolgende Privatdetektive, über Selbstmorde an der Brücke am Jangtse, über Produktpiratenjäger, Wanderarbeiter und chinesische Christen. Es sind unkonventionelle Menschen, doch teilen sie alle den enormen Wandel der Volksrepublik China. Einen Wandel, den Mao Zedong eigentlich nie wollte und heute dennoch von den chinesischen Geldscheinen lächelt. Geldscheine, mit denen China sich in unglaublicher Geschwindigkeit zu einer kapitalistischen Macht emporzieht.
Vougioukas, Janis (2008): Wenn Mao das wüsste. Menschen im neuen China, Herbig: München.
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