him.at
Wahlprogramme in 24 Stunden
1. September 2008

In vier Wochen wird in Österreich gewählt, zahlreiche Parteien bemühen sich, ihr Wahlprogramm in diesen Tagen zu veröffentlichen, doch nicht jede hat dies bereits getan. Sonntagnachmittag schickte ich an alle zehn der bundesweit antretenden Parteien eine Mail mit der Bitte, mir ihr aktuelles und komplettes Wahlprogramm zukommen zu lassen. Innerhalb von 24 Stunden bis Montagnachmittag antworteten beinahe alle Parteien:

Noch am Sonntagabend um 19:49 Uhr meldete sich die Liste Fritz Dinkhausers, doch wurde ich auf kommende Woche vertröstet: “Lieber Martin! Wir bemühen uns, unser Programm kommende Woche ins Netz zu stellen!”. Das war’s dann auch mit den Mailbeantwortungen am Sonntag und dem Duzen. Viele Parteizentralen fuhren jedoch schließlich am Montagvormittag ihre PCs hoch und gingen die E-Mail-Anfragen Schritt für Schritt durch. Innerhalb der Bürostunde 9 Uhr tat sich einiges. Die Grünen verwiesen um 9:11 Uhr mit einem Link auf die entsprechende PDF-Datei ihrer Homepage. Fünf Minuten später antwortete das BZÖ um 9:16 Uhr, jedoch sei ihr Wahlprogramm noch nicht verfügbar: “Nach der offiziellen Präsentation unseres Wahlprogramms werden wir Ihnen dieses selbstverständlich gerne übermitteln.” Das Wahlprogramm der FPÖ wurde mir um 9:23 Uhr als Word-Datei übermittelt. Um 9:35 Uhr erhielt ich die E-Mail der Christen und ihr Wahlprogramm als PDF – schlicht und einfach heisst es hier: “bitte Attachement öffnen!” Um 14:06 Uhr klingelt schließlich die ÖVP an meinem Posteingang und übermittelt ihr heute vorgestelltes Wahlprogramm als PDF. Beinahe 24 Stunden nach dem Versenden meiner Mails antwortet das LIF um 14:41 Uhr – sie werden mir das Wahlprogramm per Post zukommen lassen. In der Zwischenzeit könne ich das angehängte Parteiprogramm und ihre neue Homepage begutachten.

Die Deadline ist um. Die derzeitige Kanzlerpartei SPÖ konnte mir innerhalb von 24 Stunden keine Antwort per E-Mail übermitteln. Auch die beiden verbleibenden Kleinparteien KPÖ und “Rettet Österreich” blieben still. *

Die österreichischen Parteien bemühen sich in ihrer Kommunikation mit potentiellen WählerInnen. Dennoch hinterlassen unbeantwortete E-Mails (ich hoffe, es antworten wenigstens bis morgen alle) und fehlende Wahlprogramme am Anfang des Wahlmonats September 2008 keinen guten Eindruck.

* NACHTRÄGE: Die KPÖ antwortete am Montag um 16:45 Uhr mit Verweisen auf den Wahlaufruf, “der bewußt sehr kurz gehalten ist”, und auf andere Grundsatzdokumente der Kommunisten. Die SPÖ sandte ihr Wahlmanifest per E-Mail am Dienstag um 9:54 Uhr zu. Das ÖVP-Programm wurde mir eine Woche später auch per Post zugestellt. Das Programm des LIF war eine Woche später noch immer nicht per Post zugestellt gewesen, dafür kam es nach neun Tagen als PDF per E-Mail. Das BZÖ hatte außer einen einseitigen Folder noch kein Wahlprogramm zur Verfügung gestellt – dies holte die Partei zehn Tage später mit der Vorstellung ihres Programmes nach und betonte in einer Presseaussendung: “Das Wahlprogramm des BZÖ ist ab sofort (jetzt aber wirklich) in voller Länge auf der Homepage (…) abrufbar”. Die FPÖ hatte mir ihr Programm anscheinend schon vor ihrer offiziellen Präsentation – die fünf Tage später stattfand – zukommen lassen.

Rückblick

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen

 

Schreibe einen Kommentar!