him.at
Alle Wetter!
26. September 2008

Drei Medien haben mittlerweile meinen nicht ganz ernst gemeinten Blogartikel “Bei Kälte ÖVP, bei blauem Himmel FPÖ?” aufgegriffen: ORF.at, Antenne Salzburg und oe24.

ORF.at, das Nachrichtenportal mit den meisten Zugriffen in Österreich, widmete dieser kleinen Statistik eine eigene Story. Von Donnerstagnacht bis Freitagmittag war auf http://orf.at/080925-29886/index.html folgender Artikel zu lesen:

Kostet der Sonnenschein Stimmen?
Das Wetter wurde noch bei jeder Wahl als Faktor genannt.

Über den Zusammenhang zwischen Wahlen und dem Wetter scheiden sich die Geister. Sicher scheint nur, dass die Wahlbeteiligung vom Wetter beeinflusst wird. Tendenziell gilt: Bei strahlendem Sonnenschein machen die Menschen lieber Ausflüge und bleiben den Wahllokalen fern. Bei Starkregen und Sturm wollen viele nicht außer Haus gehen – nicht einmal zur Wahl. Alles dazwischen scheint der Wahlbeteiligung zuträglich.

Wenn es nur ums Wetter ginge …
Viel heikler ist es da schon, wenn man vergleichen will, welcher Partei welches Wetter eher nützt. In der Blogosphäre hat Martin Hieslmair auf seiner Website Him.at die Wahl- und Wetterwerte der Wahltage von 1999, 2002 und 2006 verglichen, freilich nicht ohne den Hinweis, dass es sich dabei um nicht viel mehr als eine Spielerei handelt. Gäbe es also überhaupt keine anderen Faktoren, die das Wahlverhalten beeinflussen, wie Wahlversprechen, politische Programme und persönliche Sympathien, könnte man folgende Tendenzen als gesichert annehmen:

Die ÖVP-Ausflügler
SPÖ-Wahler lassen sich eher weniger vom Wetter beeinflussen, hier gibt es recht konstante Zahlen. Es ist allerdings eine leichte Tendenz zu einer höheren Beteiligung bei weniger schönem Wetter festzustellen. Für die ÖVP gilt: je kälter, desto besser. 42,3 Prozent der Stimmen gab es 2002 bei sechs Grad Tagestemperatur, nur 26,9 Prozent bei 20,6 Grad im Jahr 1999. Hier wäre eine Tendenz viel stärker zu sehen. Gibt es bei ÖVP-Wählern mehr Ausflügler?

Die Grünen und der Luftdruck
1999 waren nur vier Zehntel des Himmels am Wahltag mit Wolken bedeckt – 26,9 Prozent wählten FPÖ in diesem Jahr. An den zwei wolkenreichen Wahltagen 2002 und 2006 fuhr die FPÖ Werte um die zehn bzw. elf Prozent ein. Dass ein Eins-zu-eins-Zusammenhang keinesfalls hergestellt werden kann, zeigt eine etwas abseitige Beobachtung: je höher der Luftdruck, desto besser schneiden die Grünen ab.

Keine Ausreden mehr?
Gesicherte Hinweise darauf, dass das Wetter überhaupt Einfluss auf das Wahlverhalten hat, gibt es kaum – eher im Gegenteil. Das Bonner Wetterservice Donnerwetter.de führte 2005 eine laut eigenen Angaben “umfangreiche” Analyse von Wetterdaten und Wahlergebnissen durch. Nicht einmal ein Zusammenhang zwischen der Wahlbeteiligung und dem Wetter sei wirklich seriös herzustellen, hieß es da. Die Parteien hätten nun eine Ausrede weniger, wenn sie ihre Wähler nicht mobilisieren konnten.

Viele beugen vor
Viele Ausflügler nutzten heuer außerdem eine neue Möglichkeit: Die im Inland erstmals mögliche Briefwahl ließ die Wahlkartenanträge massiv steigen. Schon bis Mittwochmittag wurden etwa bei der in Wien zuständigen MA 62 über 135.000 Wahlkarten beantragt. Insgesamt wird in der Bundeshauptstadt mit 150.000 gerechnet. Bei der Nationalratswahl wird es also zumindest in Wien einen Rekord an Briefwählern geben – mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Der Privatradiosender “Antenne Salzburg” war auf der Suche nach einem O-Ton für seine Nachmittagsradioshow “Treffpunkt Antenne” zum Thema des Tages. Zu Mittag rief mich die Moderatorin Sunny Rabl an und bat um ein paar Worte zu meinem Blogartikel. Die Call-in-Show stellte zwischen 13 und 14 Uhr die Frage:

In zwei Tagen wird gewählt. Übermorgen dürfen wir unsere Stimme bei der Nationalratswahl abgeben. Werdet ihr von diesem Recht Gebrauch machen, auch wenn’s ein strahlend schöner Herbsttag wird?

Die Grafikabteilung des Online-Dienstes oe24.at der Tageszeitung “Österreich” setzt meine Story erneut in eine Balkengrafik um. Die Quelle wird – wie gewohnt – nicht genannt. Siehe http://www.oe24.at/zeitung/oesterreich/chronik/Wetter_Kaelte_gut_fuer_OeVP_blauer_Himmel_hilft_FPOe_367953.ece:

Wetter: Kälte gut für ÖVP, blauer Himmel hilft FPÖ
Stimmen die Prognosen, dann herrscht am Sonntag zum Urnengang ideales Wahl-Wetter.
Zwei Szenarien fürchten die Parteistrategen besonders: Wenn’s draußen regnet und stürmt, rasselt die Wahlbeteiligung in den Keller – ebenso bei strahlendem Sonnenschein, dann ziehen viele einen gemütlichen Ausflug dem Urnengang vor. Liegt das Wetter zwischen den Extremen, sind die Voraussetzungen für die Stimmabgabe perfekt. Am Sonntag scheint der Wettergott mit den Parteien Mitleid zu haben: milde, aber nicht zu warme 17 Grad und mäßige Bewölkung – idealer könnte das Wahl-Wetter nicht sein.

Wer wann punktet
Wenn man einen – nicht ganz ernst gemeinten – Blick auf den Zusammenhang zwischen Temperaturen, Sonnenschein und Wahlergebnissen wirft, ergibt sich folgendes Bild: Bei den vergangenen drei Nationalratswahlen punktete die ÖVP besonders bei Kälte. 42,3 Prozent der Stimmen gab es 2002 bei frostigen sechs Grad (zugegeben, es war November). 1999 und 2006 schnitten die Schwarzen bei Temperaturen knapp an die 20 Grad weit schlechter ab. Je klarer der Himmel, desto mehr Stimmen für die FPÖ: 1999 strahlten die Sonne und die Blauen: 26,9 Prozent.

SPÖ wetterfest
Offenbar wetterfest scheinen die SPÖ-Wähler zu sein. Sie geben ihrer Partei ihr Kreuzchen, egal welche Spielchen die Witterung draußen gerade treibt.

Und noch ein paar andere Kommentare zu dieser kleinen Story:

  • “ich bin schon gespannt, ob deine prognose stimmt. klingt aber auch ohne wetter nicht unvernünftig…”
  • “Nachdem ich noch immer unentschlossen bin, werde ich vielleicht Deine Statistik am Sonntag heranziehen, um mein Kreuzerl abzugeben. ;-)”

Rückblick

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