Ihr Mann ist Geheimagent, rettet sich stets Millisekunden vor jeder Explosion aus brennenden Autos und löst unlösbare Missionen. Während ihr Scientology-Mann Tom Cruise jährlich die Kinoleinwände emporklettert, bleibt sie auf dem Boden eines Broadway-Theaters in einer dunklen Seitengasse und trägt ihre bald drei Jahre alte Tochter Suri durch die Avenues Manhattans. Die Rede ist von Hollywood-Schauspielerin Katie Holmes. “TomKat”, eines der gefragtesten Promiehepaare der Welt, ist für Katies Theaterauftritt, der nach exklusiven elf Wochen am 11. Jänner 2009 zu Ende ging, extra nach New York gezogen.

Nocheinmal ein Broadway-Debüt einer Cruise-Gattin
Das Stück von Arthur Miller nennt sich “All my sons” – und nicht “All my songs”, wie vor kurzem auf der Ö3-Website zu lesen war. Für viele war es egal, wie das Stück hieß – ein richtiger Medienrummel wurde rund um Katies Theaterpremiere gemacht. Zuvor spielte sie nur vor der Filmkamera. Großformatige Anzeigen in Zeitungen wie der New York Times sollten das nötige Publikum anlocken. Immerhin waren laut Veranstalter von dienstags bis samstags sieben Vorstellungen pro Woche einkalkuliert, inklusive zwei Nachmittagsvorstellungen. Die Presse schien begeistert. “Katie Holmes is grand” titelte die Daily News. Obwohl sie nur eine Nebenrolle übernahm, blieben die anderen teilnehmenden Schauspielgrößen wie John Lithgow, Dianne Wiest und Patrick Wilson im medialen Schatten. Gänzlich unerwähnt blieb auch, dass Tom Cruise’s Frau schon mal ein Broadwaydebüt hatte – 1998 versuchte es bereits seine damalige Frau Nicole Kidman.

Ticket verfügbar
Klatsch- und Tratschmagazine, egal ob gedruckt, ausgestrahlt oder online gestellt, waren und sind heute noch voll mit Fotos, Gerüchten und Spekulationen rund um Katie Holmes’ Aufenthalt in New York. Drei Appartements habe sie sich im Big Apple bereits gekauft, dann noch Unsummen für Kleider ausgegeben. Doch vergessen wir das einmal. Am Tag der Premiere konnte ich mir damals noch von Europa aus ohne Probleme ein Ticket bestellen – es war Freitag, und die Vorstellung am Mittwoch. Der Eintrittspreis war stolz notiert. Viele Flugstunden und schöne Manhattan-Walks später saß ich dann auf meinem Sitzplatz im vollgefüllten Gerald-Schoenfeld-Theatre, ein paar Minuten vom Times Square entfernt. Ein für amerikanische Verhältnisse historischer Ort – das Theater wurde 1918 erbaut.

Nicht wie in Wien
Es war ein spannender Theaterbesuch, den ich jedoch immer mit einem Theaterbesuch in Wien vergleichen musste. Schon die Abwicklung des Ticketentwertens war amerikanisch – McDonalds-ähnliche Massenabfertigung mit Strichcodelesegerät. Ich glaube, das zuständige Personal hat mir nicht einmal in die Augen geblickt. Bei meiner eigenen Suche nach meinem Sitzplatz leuchtete mir plötzlich eine erzürnte Dame mit der Taschenlampe ins Gesicht. Sie wollte noch einmal meine Karte sehen, wies mich auf meinen Platz, den ich schon vor mir hatte, und wünschte mir mit freundlicher Stimme eine gute Unterhaltung. “Please wait to be seated” hieß es hier. Im Inneren des Theaters herrschte ein großes Getümmel, das sogar noch bis in die ersten Minuten der beginnenden Vorstellung andauerte. Manche amerikanischen Besucher neben mir hatten auf Grund ihres Bauchumfangs Probleme, sich in die alten Klappsitze zu zwängen. Besonders herausgeputzt hatten sich die meisten Besucher nicht, nur ältere Damen gab es, die an diesem Tag doch ihren Mantel und ihre schöne Tasche mitnahmen. In Wien würde man sich ganz und gar nicht trauen, in Jeans das Theater zu betreten – sicherlich eines der ersten Don’ts im Marco-Polo-Reiseführer.

Große Überraschung
Dann die große Überraschung. Es war wirklich eine Überraschung. Das Stück “All my sons” war sehr gut inszeniert, das Bühnenbild sehr schön dezent und alle vier Charaktere beeindruckten mich. War es das Setting, die Geschichte, das Englisch, die Beleuchtung, die Regie, die Darsteller, die Schauspielkunst von Katie Holmes? Ich war positiv überrascht, vielleicht auch auf Grund meiner Vorurteile gegenüber Hollywooddarstellern. Das Stück fesselte mich. Alle Schauspieler waren perfekt, das Publikum schien sich verflüchtigt zu haben. Ich war mitten in der Geschichte. Darf ich so etwas überhaupt aussprechen, wenn ich aus Wien mit Staatsoper, Burgtheater und Co. komme? Warum nicht? Sehr gerne hätte ich mir es ein zweites Mal angesehen – ich hatte das Gefühl, beim einmaligen Hinsehen etwas verpasst zu haben. Die Stichprobe beweist, dass Amerikaner doch etwas von Entertainment verstehen – zumindest konnten sie mich fesseln.

I’ll make it anywhere
Nach der Vorstellung und mehrminütigen standing ovations verließen die Gäste das Theater fluchtartig. Ich habe es ja immer gerne, etwas zu verweilen und mir innerlich noch einmal die Geschichte vor Augen zu führen. Doch dazu war keine Zeit – hinaus auf die Straße. Vor der Türe versammelten sich die Fans an Absperrungen, fotografierten bei der kleinsten Türschnallenbewegung wie wild in Richtung Backstagetüre und riefen “Katie, Katie, Katie!”. Hollywood kehrte hier wieder zurück. Von der ins schwarze Auto mit Bodyguard einsteigenden 30-Jährigen konnte ich dann auch noch ein paar Fotos knipsen und ein kurzes Video drehen. Zuhause in einem ihrer drei Appartements legte Katie Holmes wohl noch den Song von Frank Sinatra auf: “If I can make it there, I’ll make it anywhere, Its up to you – New York, Newww Yoooooooooork”. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
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