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Eine Republik stellt sich aus
13. Januar 2009

Neunzig Jahre Republik Österreich – die Republik, die “niemand wollte”, hat es also trotz der schrecklichen Unterbrechungen durch Austrofaschismus und Nationalsozialismus bis ins 21. Jahrhundert geschafft. Monarchie ist Vergangenheit, auch wenn Kaiser Karl noch so gerne in seinem Schloss Schönbrunn residiert hätte und die Sisi-Filme das kaiserliche Feeling an Samstagnachmittagen im Fernsehen immer wieder hochkommen lassen.

Der Brunnen vor dem Tore

Studienbegleitend hab ich mich also dazu entschlossen, mir die Republiksausstellung über Österreich von 1918 bis in den Räumlichkeiten des Parlaments anzusehen. Ein trüber, kalter Jännervormittag im Jahr 2009 schien dafür perfekt zu sein. Große Schautafeln vor dem Gebäude sollen die Besucher in den neugestalteten, aber hinter dem Brunnen versteckten, Eingang locken.

Deutsch-Österreich, äh, Republik Österreich

Wer 2009 die Ausstellung besucht, die noch bis zum 11. April 2009 andauert, kann sich zumindest von einer Absicht der Staatsgründung am 12. November 1918 distanzieren – schließlich wollte das damalige “Deutsch-Österreich” beinahe quer durch die Parteien den Anschluss an Deutschland. Da nehm ich doch lieber einen der Pariser Vororteverträge aus dem September 1919 – einmal Saint-Germain, bitte.

Das Problem jeder Ausstellung

Die Geschichte Österreichs seit 1918 ist spannend und wird viel zu wenig vermittelt. Natürlich kann eine Ausstellung immer kritisiert werden, denn durch die für die Ausstellungsbranche notwendige Verknappung und der medialen Aufbereitung mit Fotos, Grafiken und interaktiven Elementen geht immer wieder etwas verloren und wird verzerrt dargestellt. Außerdem braucht der eigene Körper selbst nach zwei Stunden Stehen schon eine kleine Pause.

Die Ausstellung für zusätzliche Denkanstöße

Dennoch ist diese Ausstellung ein sehr guter Input – als Ergänzung für alle, die sich mit österreichischer Geschichte auseinandersetzen. Ratsam ist es, sich zuvor schon einzulesen, da die doch sehr großen Zeitsprünge innerhalb weniger Meter komplex werden können. Ein chronolgischer Spaziergang ist kaum möglich, ein thematischer hingegen schon.

Mitten in der Demokratie

Skurril ist der Ort der Ausstellung – Mitten im Parlament. Besucher müssen durch dieselbe Sicherheitsschleuse wie Abgeordnete und Journalisten. Da sich die Ausstellung sozusagen “am Gang” befindet, huscht immer wieder ein Parlamentarier oder Politiker an einem vorbei. Seltsamerweise hab ich immer vor der Schautafel der Deutschnationalen einen bekannten FPÖ-Politiker an mir vorbeiziehen sehen. Die Ausstellung wird dann noch skurriler, wenn man sich die aktuelle Sache mit dem dritten Nationalratspräsidenten vor Augen führt.

Von Jung bis Alt, aber nicht dazwischen

Die Besucher sind großteils Schulgruppen und ältere Personen. Menschen zwischen 18 und 60 Jahren waren an diesem Tag, werktags, nicht anzutreffen. Natürlich sind die Führungen für Schulklassen nebenbei etwas anstrengend, und die Parlamentshalle gleicht dann akustisch der einer überfüllten Schwimmhalle eines Wiener Stadtbades. Doch es ist wichtig, dass sich auch junge Menschen mit der Geschichte beschäftigen. Im Berufsleben bleibt dann, wie die Besucherstatistik hier zeigt, oft keine Zeit mehr.

Besuch empfehlenswert

So schön klar die Ausstellung mit medialen Elementen versehen wurde, so enttäuscht war ich dann vom Ausstellungsbuch. Die Texte des Ansichtsexemplars hab ich mir zwar nicht durchgelesen, aber bei der Aufmachung des 30-Euro-Wälzers hätte sich der Verlag ruhig ähnlichen Darstellungsmethoden bedienen können, wie sich die Ausstellung selbst präsentierte. Grundsätzlich ist ein Besuch empfehlenswert, auch der Unkostenbeitrag von zwei Euro ist in Ordnung. Zeit und Ort der Ausstellung sind auf jeden Fall ideal, um 90 Jahre zurückzublicken.

Rückblick

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