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Die Lehre ist frei, 0 Plätze frei
3. März 2009

Es war an einem kalten Vorweihnachtsabend, als sich Kaiser Franz Joseph im Jahr 1867 an seinen Schreibtisch setzte und mit seiner Unterschrift das Staatsgrundgesetz beglaubigte. Dieser Meilenstein gestand nun BürgerInnen zahlreiche Rechte zu, die auch heute noch als Verfassungsgesetz in Österreich ihre Gültigkeit besitzen. Mit dem Artikel 17 sollte damals der Zugang zu Universitäten für alle möglich werden, die eine Befähigung (= Matura) nachweisen können: “Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei.” Mehr als ein Jahrhundert später wurde dieser Satz an der Treppe des Neuen Institutsgebäudes der Universität Wien in Stein gehauen, wo er auch heute noch zu lesen ist.

Vier Reisebusse nicht am Ziel

Frei, also unbeeinträchtigt, ist das Studium der Politikwissenschaft nicht. Mit dem neuen Online-Anmeldesystem für Lehrveranstaltungen müssen die StudentInnen seit dem Sommersemester 2009 Punkte vergeben, um je nach Höhe ihres Einsatzes auf die Teilnehmerliste zu gelangen. Ein strategisches Glücksspiel, das dem heutigen Lottosystem in Österreich gleichkommt, denn wenn sich über 230 Personen für ein Seminar mit max. 30 Personen anmelden, steigen vier vollbeladene Reisebusse an Studenten unerfreulich aus. Zwar werden die restlichen 200 Personen auf die Warteliste gesetzt, doch wer sein Studium unter diesen Voraussetzungen zeitgerecht einhalten möchte, dem nützt nicht einmal Geduld.

Rasch abschließen müssen und nicht können

Laut Diplomstudienplan müssen einige solcher Seminare absolviert werden, um erfolgreich abschließen zu können. Darüber hinaus ruft die Studienprogrammleitung Politikwissenschaft auf ihrer Homepage dazu auf, das Diplomstudium so rasch wie möglich abzuschließen, da es mit Ende 2012 ausläuft. Wer bis dahin seinen Zeitplan nicht mehr einhalten konnte, muss auf einen Bachelor-Abschluss umsteigen und darf sich statt Magister nur mehr “junger Edelmann” (BA) nennen.

Der nächste Meilenstein ist fällig

Die Strategie, alle 2.000 Punkte auf ein Seminar pro Semester zu setzen, um zumindest eins zu ergattern, geht bis 2012 nicht auf. Wer mehrere Seminare pro Semester machen will, kann gleich zuhause bleiben, denn mehrere 1.000-Punkte-Bewertungen stellen 500 Punkte mehr als in den Schatten – nämlich auf die Warteliste. Bleibt nur zu hoffen, dass das Reise-nach-Jerusalem-Spiel mit 230 Teilnehmern und 30 Sesseln nicht auch nächstes Semester so weitergeht. Die Zeit für den nächsten Meilenstein im Bildungssystem wäre günstig.

Augenblick

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