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4. März 2009
Lachen gegen die Angst

Das schafft Aufmerksamkeit. Ein seriös wirkender Mann Anfang 40 mit schwarzem Hemd und dunklem Sakko nimmt im Rahmen eines Gespräches mit dem Staatspreisträger Robert Misik an einem Tisch Platz. Sein aktuelles Buch, “Uns gehört die Welt!”, dreht sich um besorgniserregende und Angst machende Wirtschaftsthemen in einer Zeit, in der über Finanzkrisen, Nahrungsmittelkrisen, Klimakrisen, die negativen Auswirkungen von Globalisierung und dem Kapitalismus seitenweise geschrieben und stundenlang gesprochen wird. Es sei ein politisches Buch, so die einführenden Worte von Robert Misik im “Republikanischen Club” in der Rockhgasse des ersten Wiener Gemeindebezirks. Eins seiner vorhergehenden Werke habe sich sogar schon über 150.000 Mal verkauft.

“Ich bin Clown”

Und dann ergreift der Autor selbst das Wort und sagt: “Ich bin ausgebildeter Clown”. Was? Wie? Ein Clown, ein Hofnarr, ein Spaßmacher? Meint er das ernst? Ja, er ist Clown, und er mache sich gern zum Trottel und habe die Angst vor der eigenen Lächerlichkeit verloren. Ist das nicht eine gewisse Gefahr eines Verlusts der Ernsthaftigkeit, so die berechtigte Frage Misiks. Nein, denn Lachen sieht Klaus Werner-Lobo als Mittel gegen die Angst – eine Angst, die Menschen in diesen Zeiten erstarren lässt, die Menschen die Lage der Welt einfach so ohne Protest akzeptieren lasse, und eine Angst, die jede Zukunftsperspektive versiegen lässt. Werner-Lobo fordert genau von diesen Menschen einen neuen, optimistischen Ansatz des Denkens. In welcher Welt wollen wir in 50 Jahren leben? Welches Ziel setzen wir uns? Erst nach dieser Formulierung einer “Utopie”, wie er es selbst definiert, können Maßnahmen folgen. Er wünscht sich eine Totalreform, ja sogar Nationalstaaten sollen seiner Ansicht nach verschwinden.

Wenn ein Kolibri das Feuer löscht

Aber welche Maßnahmen kann denn schon eine einzelne Person treffen? Hier kommt der in seinem Buch zitierte Kolibri ins Spiel, der nicht wie der Elefant vor dem Feuer flieht, sondern immer wieder umkehrt, um mit kleinen Tropfen Wasser die Katastrophe zu bewältigen. Die Einzelperson kann etwas tun und hat umso mehr Chancen, je mehr Kolibris sich daran beteiligen. Es ist die Zivilgesellschaft, die Werner-Lobo am Herzen liegt. Jeder habe die Möglichkeit etwas zu tun, jeder könne einen Schritt machen. Und für genau den Mut, einen ersten Schritt zu tun, will der Autor sich mit einer einfachen bzw. “unterkomplexen”, manchmal übertriebenen, selbst nicht als objektiv bezeichneten Sachverhaltsdarstellung einsetzen. Jugendliche und Menschen, für die das Thema zu komplex erscheint, sieht er als seine lesende Zielgruppe.

“Die Kacke ist am Dampfen”

“Die Kacke ist am Dampfen”, warnt Werner-Lobo an diesem Abend, denn wir bräuchten zweieinhalb Erden, wenn alle Menschen so leben wollen wie wir.  Arbeitsplätze müssten neu verteilt und im Zuge eines unnnötig angestrebten Wirtschaftswachstums nicht neu geschaffen werden. Die Macht der Monopole an Erdöl, Erdgas und Atomkraft müsse abgebaut werden – nur erneuerbare Energie sei derzeit demokratisch gewinnbar. Ein kritisches Bewusstsein müsse geschaffen werden, wobei neben einem bewussten Konsumieren auch ein Nicht-Konsumieren eine Option darstellen sollte. Ein Hybridauto zu kaufen ist eine Option, kein Auto zu kaufen eine andere. Dabei sickert auch ein wenig Selbstkritik durch, als er behauptet, dass sein ökologischer Fußabdruck auf Grund seiner Lesungen viel größer sei als bei anderen. Paradoxerweise hätten Grün-Wähler durchaus teilweise einen größeren ökologischen Fußabdruck als FPÖ-Wähler, so Werner-Lobo.

Ratschläge für den Einzelnen

Obwohl er ungern seinen LeserInnen konkrete Ratschläge erteilen möchte, gibt der Autor abschließend dem Publikum noch vier Punkte mit auf den Weg: (1) Lebe deine Träume, (2) informiert euch und andere, (3) werdet gemeinsam mit anderen netten Menschen aktiv und habt Spaß, (4) und zeigt Zivilcourage. Nur so können Ziele erreicht werden, nur so wird Aufmerksamkeit geschenkt.

Links

Klaus Werner-Lobo
Robert Misik
Republikanischer Club


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