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Mehrwert durch soziale Netzwerke
5. März 2009

In einem angesagten Café sitzen mehrere Freunde an einem Tisch, die sich schon länger kennen. Da trifft ein alter Schulkollege eines Freundes ein, setzt sich dazu und lernt die anderen Anwesenden mehr oder weniger kennen. Am Nachbartisch sitzen ebenso Menschen beisammen, wobei nun einer davon den Neuankömmling kennt und vorschlägt, die Tische zusammenzustellen. Je mehr Personen das Lokal betreten, desto größer wird die gesellige Runde. All das spielt sich momentan in Social-Networks ab, in “virtuellen Kaffeehäusern”. Neben Facebook, Twitter, StudiVZ und Co. reihen sich auch speziell auf den Geschäftsbereich spezialisierte Netzwerke ein wie beispielsweise Xing, einem im deutschsprachigen Raum populären Social-Network für Geschäftskontakte. Ein Viertel aller MitarbeiterInnen einer Branche seien in Deutschland bereits mit ihrer eigenen Seite auf Xing vertreten.

“Social-Networks haben einen Mehrwert”

Im Rahmen des “eDays” der Österreichischen Wirtschaftskammer am 5. März 2009 in der Wiener Hofburg sprach Ralf Ahamer, Vizepräsident von Xing, über die Chancen und Risiken dieser sozialen Netzwerke. Großteils einseitig natürlich, da er nicht selbst gegen sein Produkt reden würde. Dennoch öffnete er wieder einige Gedankengänge, um sich selbst über den Umgang mit diesen Networks wieder klar zu werden. Er selbst habe einmal die Information veröffentlicht, dass er bei einem Alpenverein Mitglied sei – prompt hatte ein Kandidat bei einem Bewerbungsgespräch an diese Information angeknüpft und dies in den Dialog einfließen lassen. Mittlerweile ist es längst nicht so, dass Arbeitgeber Informationen über ihre Angestellten aus den Netzwerken saugen, sondern auch umgekehrt. Generell, so Ahamer weiter, schaffe ein Social-Network nichts neues, sondern transferiere bestehendes in die Online-Welt, mit dem von ihm bezeichneten “Mehrwert”, dass man nun Kontakte der Kontakte kennt und damit berufliche Chancen nutzen kann. Er glaubt daran, dass Menschen noch Privates und Berufliches trennen, und es nicht in Netzwerken wie Twitter vermischen wollen – auch aus guten Gründen des Geschäftsmodells von Xing.

“Kunden gewinnen an Macht”

Da großteils Firmenvertreter im historischen Zeremoniensaal anwesend waren, wies Ahamer auch auf die unternehmerische Seite von Social-Networks hin, wobei für viele Teilnehmer mit dem Satz “Kunden gewinnen an Macht” wahrscheinlich kurz das Herz stecken blieb. So habe ein Youtube-Video über ein Sicherheitsschloss der Firma Kryptonite, das mit einem Stift in Bruchteilen von Sekunden geöffnet werden konnte, 10 Millionen Dollar Schaden verursacht. Innerhalb von zehn Tagen seien damit 6,7 Millionen Menschen erreicht worden und der Absatz dieses Fahrradschlosses sank gewaltig. Wenn Unternehmen Vorteile aus dieser Vernetzung ziehen wollen, könne dies nicht einfach mit einem Schalter “go social” geschehen, sondern müsse ein Umdenken a la Obama stattfinden. Gewohnte Marketing-Strategien hätten hierbei keinen Platz, da soziale Netzwerke viel zu komplex seien. Je größer die Mitgliederanzahl und die Aktivität der Mitglieder sei, desto größer werde auch der Wert einer Community sein – sobald einer der beiden Faktoren Richtung Null geht, ist das Ergebnis auch null.

Mehr Vorteile als Nachteile?

Gefahren sieht der Vizepräsident von Xing wenige – zumindest bei seinem System. Wenn Informationen preisgegeben werden, können diese für viele Personen einsichtbar sein (bei Xing hebt er die selbst einstellbaren Datenschutzoptionen hervor) und es ist schwierig für jemanden, der in einem Netzwerk drinnen ist, wieder herauszukommen. Kurz und bündig bleiben die Risiken und Nebenwirkungen, wobei gerade das Bewusstsein darüber für die Einzelperson immer wichtiger wird, um sich nicht im Netz versehentlich und unwiderruflich zu verstricken. Doch dazu braucht es wohl eine andere Zielgruppe und eine andere Veranstaltung als einen “eDay” für Unternehmer.

Rückblick

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