him.at
16. Juni 2009
iPhone gestohlen

Falls Sie die Internetadresse him.at deswegen aufrufen, weil Sie diese auf dem gefundenen/gekauften iPhone finden, bitte ich Sie, mich zu kontaktieren. Dieses iPhone wurde mir am 16. Juni 2009 in Wien gestohlen.

Vom Kaffeehaustisch geraubt

Ein fast leerer Starbucks in der Wiener Innenstadt, die Musik läuft im Hintergrund und ich telefoniere mit meinem Zweithandy. Eine Frau betritt das Lokal und versucht ihre Zeitung für Entwicklungshilfe an den Mann zu bringen. Keine der anwesenden Personen kauft ihr eine Zeitung ab. Nach mehrmaligem Hin- und Her erreicht sie auch meinen Tisch und bittet mich in einer mir nicht verständlichen Sprache, ihr eine Zeitung um 2,50 Euro abzukaufen. Sie weicht nicht von der Seite und kommt immer näher. Ich fühle mich bedrängt und will, aus meiner bisher naiven Erfahrung heraus, ihr ein paar Euro geben, damit sie sich etwas zu trinken kaufen kann. Ihren Zeitungsstoß lässt sie auf den Tisch fallen, ich hole meine Geldtasche heraus, erhalte eine Ausgabe und sie verschwindet mit einem breiten Lächeln von meinem Platz. Nach einigen Sekunden entdecke ich, dass mein iPhone fehlt, welches ich auf dem Tisch ganz nahe bei mir liegen gehabt hatte. Der Zeitungsstoß dürfte es verdeckt haben, sie hat es mir gestohlen. Eine schnelle Suche nach dem iPhone in meiner Tasche und ein Nachlaufen auf die Straße haben nichts genützt.

Handydiebstahl-Methode nimmt zu

Es ist traurig, dass jemand mit dem Verkauf von Entwicklungshilfe-Zeitungen solche Taten begeht. Umgehend ließ ich das Telefon sperren, ein letztes Mal konnte ich ihren Atem hören als sie bei einem meiner Anrufversuche abhob. Bei der praktischerweise gleich gegenüberliegenden Polizeidienststelle erstattete ich Anzeige. Laut Auskunft der Polizei habe diese Methode des Handydiebstahls im ersten Bezirk in den letzten Wochen zugenommen. Da sich diese Vorfälle angehäuft haben will die Polizei nun Aktionen setzen. Bei den Fotos von zwei verdächtigen Frauen aus Rumänien war diese Frau nicht dabei. Auch die auf der Straße stehenden Zeitungsverkäuferinnen konnten oder wollten mir nicht weiterhelfen – sie sprechen nicht Deutsch.

Die Haut und ihre Farbe

Dieser Diebstahl kostet mir mehrere hundert Euro, sollte das iPhone nicht mehr gefunden werden, was der Realität entsprechen wird. Der Vorfall hat nun meine Naivität und Spendebereitschaft auf offener Straße endgültig beendet. Ich versuche mich dennoch zu hüten, aus diesem Vorfall auf Gruppen oder andere Menschen zu schließen. Es gibt hilfsbedürftige Personen, das ist nicht zu leugnen, doch solche Taten machen es schwierig, sie von Betrügern zu unterscheiden. Und das an einem Tag, an dem die Innenministerin Fekter das Asylrecht verschärfen wollte. Eine Ironie der Geschichte hat der Vorfall durch den Titel des mir verkauften Magazins bekommen: “Die Haut und ihre Farbe”. In der Einleitung steht: “Diese Ausgabe ist im Geiste der Roma und Sinti-KolporteurInnen entstanden” – die Frau, die mir das iPhone gestohlen hat, weist Ähnlichkeiten mit dieser Personengruppe auf. Und ich muss mich selbst davor hüten, die gesamte Gruppe der Roma als Diebe hinzustellen. Es ist und war ärgerlich und kostete mir eine Menge Geld, aber es war ein Einzelfall.

Was mit der Frau geschehen ist, warum sie mir mein Eigentum gestohlen hat und welche Lebensgeschichte sie hat, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Auch der Verbleib meines iPhones.


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