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Auf ein Bier mit Obama
26. Juli 2009

Ein anstrengender Arbeitstag in Washington D.C. geht zu Ende. Ein guter Freund, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe, betritt die Bar nahe des Kapitols und setzt sich an den dezent beleuchteten Ecktisch. Wir kommen sofort ins Gespräch, reden über Politik und die Welt, über Historisches und die Zukunft, und erzählen uns private Dinge aus unserem Leben. Die Zeit vergeht schnell, wir bleiben bis zur Sperrstunde. Es tut gut, nun wieder mehr voneinander zu wissen – nicht alles, aber wir sind froh, ein paar Stunden geplaudert zu haben. Genauso werden sich viele Leser des Buches „Hoffnung wagen“ von Barack Obama fühlen.

Themenvielfalt mit groben Lösungsansätzen

Obama ist noch kein US-Präsident sondern Senator von Illinois als er dieses Buch schreibt. Es geht um Arbeitslosigkeit, Krankenversicherung, Rassismus, über die Verfassung, über Staat und Markt, über den Schuldenstand der USA und der Notwendigkeit einer neuen Außenpolitik. Obama spricht viele Themen an, die die Welt und vor allem die USA auch heute noch bewegen, und ergänzt sie mit einem kompakten Geschichtsunterricht und persönlichen Erlebnissen. Er versucht Lösungsvorschläge zu geben, die jedoch nur sehr grob formuliert bleiben, aber er gibt Gedankenstränge vor, die auch heute noch in seiner Funktion als US-Präsident aus seinem Handeln abzulesen sind.

Demokratie als Gespräch

Als Spezialist für Verfassungsrecht erzählt er gerne von den in den USA heilig gewordenen Gründungsdokumenten und Verfassungsvätern. Obama gibt zu, dass er dabei ein Problem mit einer strengen Originaltreue hat und versteht die Verfassung als eine Art Richtlinie für das Denken. Was zu denken ist, könne die Verfassung nicht vorgeben, sondern nur die Demokratie, die Obama als ein Gespräch versteht, das geführt werden muss. Globales Denken, gesellschaftliche Solidarität, die Förderung der Bildung, eine zunehmende Unabhängigkeit der USA in Energieversorgungsfragen – nicht nur das wünscht sich Obama.

Macht des Beispiels

Die USA müsse mit gutem Beispiel voran gehen, die Weltmeinung berücksichtigen und gemeinsam mit Verbündeten handeln, um die Welt sicherer zu machen vor terroristischen Netzwerken bis hin zu Klimaveränderungen. Obama ist kein Pazifist und würde auch Kriege dafür in Kauf nehmen. An erster Stelle will er jedoch vereinen, sich in andere Standpunkte einfühlen und Kompromisse schließen, und die US-Politik aus ihrem Stillstand manövrieren, den die Spaltung zwischen Republikanern und Demokraten verursacht habe. Obama will das reale Leben wieder in Richtung der Mythen führen, wo Amerikaner als freie Bürger geboren werden und ihr Leben selbst gestalten können.

Ja zu Religion, Familie und Todesstrafe

Obama ist religiös und glaubt an Gott. In der Kindheit ist er mit Bibel und Koran aufgewachsen und hat schließlich die schwarze Kirche „als Gefäß für Überzeugungen“ gefunden. Glaube, so Obama, sei eine aktive Kraft, der jedoch auch kritisches Denken zuließe. Er ist gegen ein Abtreibungsverbot und für die Todesstrafe, wenn es sich um Massenmorde oder Straftaten an Kindern handelt. Der Staat könne nicht alles gesetzlich vorschreiben – weder Manieren noch das, was im Schlafzimmer geschieht. Die Familie hat bei Obama den höchsten Stellenwert – seine Frau Michelle und seine beiden Kinder, auf die er immer wieder zu sprechen kommt. Es fallen sogar Sätze, die er in seiner heutigen Position wahrscheinlich nicht mehr sagen würde:

„Meine Töchter nehmen es mir nicht ab, wenn ich den harten Mann spiele.“

Küssen, Windeln wechseln, Duschen und Ameisenfallen kaufen

Das Buch wird stets durch kleine Erzählungen aus seinem Leben abgerundet. Obama hat in seiner Kindheit in Indonesien Hühner gejagt, weiße Ehepaare warfen ihm später den Wagenschlüssel zu, weil er schwarz war. Er schreibt über die Zeit als er zum ersten Mal Michelle begegnete und über ihren ersten Kuss, der nach Schokolade schmeckte. Über schwierige Zeiten während der Ehe, als beide wenig Zeit füreinander hatten und Michelle sich um die Kinder kümmerte. Über Windelwechseln, dem Einschlafen vor dem Fernseher. Darüber, dass er es nie schaffte, einen Duschvorhang zu kaufen und sich beim Duschen immer in die kalte Ecke pressen musste. Sowohl Buffets, Baseballspiele, das Fitnessstudio und der Friseursalon kommen vor, als auch die Situation, als er mit Michelle über Luftabwehrraketen sprechen wollte und sie ihn bat, Ameisenfallen für die Küche zu besorgen.

Lieber Privat als Staat?

Das private Leben hat für Obama immer noch eine große Bedeutung, doch das hat er, wie er selbst zugibt, gegen ein öffentliches Leben eingetauscht. Immer wieder wünscht er sich mehr Zeit für seine Familie, doch die hat er sich nun als US-Präsident noch viel mehr verkürzt. Das Weiße Haus sei nicht so glanzvoll wie im Film, es sei ein abgenutztes, altes Haus, schreibt Obama. Er liebt den Menschenkontakt, der jedoch verloren geht, wenn man viel im Flugzeug unterwegs ist, so Obama. So sehr er die Welt auch verändern und mehr Hoffnung wagen möchte, so kann der Text auch dahin gedeutet werden, dass Obama froh ist, bald Ex-Präsident zu sein und sich wieder ins Private zurückziehen zu können.

Obama, Barack (2007): Hoffnung wagen. Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream, Riemann Verlag: München.

Rückblick

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