Auf der Straßenkarte sieht alles sehr übersichtlich aus. Wer vom kanadischen Vancouver kommend Richtung Süden am Highway 99 entlang fährt, findet sich wenige Kilometer später auf der US-amerikanischen Interstate 5 vor Seattle wieder – solange der eigene Geduldsfaden nicht reißt.

Nexus oder Wartepflicht
Bei der Einreise in die USA ist nicht nur über den Luftweg sondern auch über den Landweg Durchhaltevermögen gefragt. Mit zwei Stunden Blockabfertigung müssen Autofahrer schon rechnen – sicher ist es trotz vorheriger Informationsschilder über die aktuelle Wartezeit nie, wie lange ein Grenzübertritt in das “freie Land” nun wirklich dauern wird. Nur Mitglieder des futuristisch klingenden Nexus-Programms können dank einer eigenen Spur die Grenze zwischen Kanada und USA in Windeseile hinter sich lassen. Und auch zu Fuß Reisende können sich als Fußgänger theoretisch vordrängeln.

Unausweichliche Gelassenheit
Hier an einem der stärker frequentierten Grenzübergänge zwischen Kanada und USA, dem “Peace Arch Border Crossing”, geht es äußerlich betrachtet sehr friedlich zu. Die Wartezeiten sind zwar störend, doch alle finden sich damit ab – ein Umdrehen ist aber ab einem bestimmten Zeitpunkt auch nicht mehr möglich. Einige Fahrer steigen aus dem Auto aus und schnappen pazifische Frischluft, andere eilen über den grünen Rasen zwischen dem kanadischen und dem US-amerikanischen Blumenbeet zum WC. Manche zücken ihre Kamera und knipsen ein Foto vom weißen “Friedensbogen” an der offiziellen Grenzlinie.

Willkommen, aber verlassen Sie uns bald wieder
Ein paar Meter weiter empfängt ein Schild die Einreisewilligen mit “Welcome to the United States”, geschmückt mit US-Flagge und Bildern von Freiheitsstatue, Kapitol und Co. Doch noch ist nicht geklärt, ob man in Obamas Land überhaupt willkommen ist. Die Pässe werden kontrolliert und Fragen gestellt, nachdem zahlreiche Kameras das Auto von vorne und hinten abgelichtet haben. Die Frage “Warum reisen Sie ein?” führt zur eigenen Reflexion, warum man gerade die USA und kein anderes Land bereisen möchte. “Wie lange bleiben Sie?” scheint ein umforumulierter Wunsch der US-Regierung zu sein, die USA schnell wieder zu verlassen. Scherze gibt es hier keine – jeder Tourist könnte ein Terrorist sein.

Nach Warteschlange 1 folgt Warteschlange 2
Das Ende der langen Autowarteschlange ist erreicht, doch die Grenzbeamtin verschwindet mit den Reisepässen im Bürogebäude. Das Auto muss auf einem Parkplatz, den Grenzbeamte mit griffbereiter Schusswaffe bewachen, abgestellt werden. Der Autoschlüssel muss auf die Motorhaube gelegt werden. In der Grenzstation selbst kommen Erinnerungen vom Flughafen hoch – dieselbe Menschenschlange, nur etwas kürzer, dieselben Aufnahmeverfahren wie Fotos und Fingerabdrücke aller zehn Finger. Schlussendlich noch weitere Fragen und das grüne Formular. Ist man kein Terrorist, kommt der Humor des Grenzbeamten so wie der eigene Reisepass zurück. Die Vereinigten Staaten heißen dich willkommen.

Einseitige Bürokratiehürden
Mit dem Grenzschranken im Rückspiegel und vielen neuen, aktualisierten Datensätzen für die amerikanische Verdächtigendatenbank hat man es dann auch geschafft und ist für kurze Zeit dem Staatsfacebook als Freund hinzugefügt worden. “These Gates never be closed” steht hinter einem geschlossenen Zaun geschrieben – eine schöne Metapher für das Einreisen in die USA mit bürokratischen und zeitaufwändigen Hürden. Bei der Rückreise nach Kanada fällt einem der Unterschied dabei so richtig auf. Kein Stau, ein paar Fragen und ein kurzer Blick in den Reisepass – man fährt wie mit dem Finger auf der Straßenkarte innerhalb von zehn Minuten über die horizontale Grenzlinie in den Norden.
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2 Kommentare zu “Über den Landweg in die USA”
Hallo Martin,
ja, das kenne ich – aber so easy sind die Kanadier bei der Einreise auch nicht. Die nehmen mich jedesmal total ins Kreuzverhör.
Liebe Grüße
Ute
Hallo Ute, ja so wenige Fragen waren es dann auch wieder nicht, die uns die Kanadier stellten. Aber da nur wenige Wörter als Antwort genügten, waren wir schnell über der Grenze. Kam auch immer auf den Beamten an – am kanadischen Flughafen wars mühsamer, das Frage-Antwort-Spiel. Liebe Grüße, Martin
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