him.at
Wir wissen wo dein Haus wohnt
24. April 2009

Den ersten schulautonomen Tag, der nach den Verhandlungen zwischen Bildungsministerium und Lehrern gestrichen wurde, haben sich viele Schüler bereits wieder zurückgeholt. Mit “Staatsfeind Nr. 1″ und “Wir wissen wo dein Haus wohnt” protestierten auch in Linz tausende Schüler für die Erhaltung der schulautonomen Tage bzw. gegen den Kompromiss, der ihnen fünf Tage weniger Schulferien einbrachte.

Die Demonstration verlief trotz verschriftlichten Androhungen gegen Bildungsministerin Schmied sehr friedlich. Wenn Österreich-Flaggen dabeigewesen wären, hätte sich es fast um einen Fußball-EM-Ausläufer, um ein Spektakel gemeinsam erlebter Emotionen handeln können.

Während viele zur Mittagszeit sich noch am Linzer Hauptplatz die Beine in den Bauch standen, gönnten sich andere Schüler ein kühles Bier oder ein Eis nebenan. Mit Handykamera dokumentiert, natürlich. Nicht nur die Landstraße war in dieser Zeit voll von Schülern, auch die Kaffeehäuser und H&Ms in der Einkaufsstraße – Shoppen nach dem Streiken.

Die Demonstration war wenige Stunden später wieder vorbei. Einige Schüler gönnten sich noch eine erfrischende Ottakringer-Bierdose vom Supermarkt oder eine Entspannungszigarette. Sie haben ihre Meinung kundgetan und ab geht’s ins freie Wochenende.

Jetzt bleibt nur noch zu warten, ob das Streiken etwas gebracht hat. Spätestens beim nächsten Streik wird ein weiterer “schülerautonomer” Tag dem Ferienkonto hinzugebucht.


Video auf Youtube ansehen

Rückblick Videos

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

Zugehen tuts auf dieser Welt
22. April 2009

Zwei ältere Damen nehmen im Schanigarten eines Wiener Kaffeehauses Platz und reden über die Welt. Es sind Themen, die sie persönlich betreffen, wie das Schicksal einer Siebenjährigen, von dem sie in der Zeitung gelesen haben:

Mitten ins Herz

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

“Von einem siebenjährigen Mädchen war auch etwas, die ist auch gestorben…” – “Eine Siebenjährige hat sich die Schere hier hineingerannt, eine Siebenjährige hat sich die Schere hier hineingerannt.” – “Eine Siebenjährige?” – “Eine Siebenjährige. Gestern hat er gesagt, eine Achtjährige. Aber der Hermann hat mir das auch gesagt in der Nacht. Es hat gespielt und etwas ausschneiden wollen, dann hätt sie sich etwas holen wollen und ist genau auf die Schere gefallen, mitten ins Herz. Nach 15 Minuten war die Rettung eh da gewesen, notoperiert haben sie es noch. Heiliger… Der Vater war Kellner und sie hat das mitansehen müssen, psychologisch betreut werden. Kannst du dir das vorstellen? Die Schere da hinein? Sowas! Direkt beim Herz hat es sie getroffen.” – “Ich habs gehört, aber…” – “Heute steht es in der Zeitung. Österreich. Ich sag dir’s, zugeht’s, das ist nicht mehr schön.”

Verhungern

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Ober: “Wollen Sie ein Gebäck dazu, gnädige Frau? Guten Appetit!” – “Da nehm ich nichts dazu… ich hab eh vor kurzem… weil es mich so gelustet hat… fett und ein wenig mager… weißt wie das gut war? Ich hab mir gedacht, ich muss jetzt ein Stückerl essen… Ein bisserl ein Kraut hab ich gegessen, ein so ein Häuplkraut haben wir daheim gehabt…” – “Also ich bin nicht schuld, wenn du einen Hunger hast heut.” – “Hoffentlich…” – “Was?” – “Hoffentlich verhungere ich heute nicht.”

Bezahlen

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

“So, das sind lauter Euro, sechs hab ich.” – “Sechs Zweier?” – “Nein, drei Zweier, sechs Euro. Hilda, lass das drinnen, lass das drinnen… Jetzt schwitzt schon, weißt du das eh? Jetzt tust schon schwitzen!” – “Ich schwitz aber fest.” – “Ich sehs!” – “Einen Euro? Habs schon, danke.”

Audios Augenblick

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

Rumänien und der autostoppende Diktator
20. April 2009

Der Kalte Krieg ist längst vorbei, die Grenzen sind offen, das Land ist Mitglied des europäischen Friedensprojekts. Rumänien ist trotz seines EU-Beitritts 2007 immer noch im Abseits. Nur wenige Europäer wissen etwas über das Land und assoziieren es weiterhin mit blutsaugenden Vampiren und diebischen “Zigeunern”. Die deutsche Autorin Hilke Gerdes will sich von all diesen verstaubten Ansichten in ihrem Buch “Rumänien. Mehr als Dracula und Walachei” abwenden, nachdem sie selbst von einem längeren Aufenthalt in Rumänien heimgekehrt ist. Das gelingt ihr auch mit einem ansprechenden Themenmix.

Es ist kein Reiseführer im klassischen Sinne und bei weitem nicht vollständig, schließlich hat Rumänien eine wechselhafte Geschichte hinter sich, die sich nicht einfach so erzählen lässt. Die Grenzen haben sich immer wieder verschoben. Zahlreiche Minderheiten unterschiedlicher Sprachen leben in dem Land so wie die ungarische oder die deutsche Volksgruppe. Der türkische Einfluss ist in der Musik zu hören, die Blütezeit der Zwischenkriegszeit in der Architektur zu erkennen. Monarchie, Nationalsozialismus, Kommunismus und der rumänische Diktator Ceauşescu haben ebenso ihre Spuren hinterlassen. Einer Studie zufolge zählen die Rumänen zu den unglücklichsten Menschen, sie trinken gerne und wer mit der Bürokratie schnell vorankommen möchte, sollte seinen Dokumenten stets einen Geldschein beilegen. Das Buch berichtet über die Geschichte, die Menschen und deren Kultur abseits der klassischen Tourismusklischees, gespickt mit persönlichen Erlebnisberichten der Autorin. Erdölpipelines, Bergarbeiterstreiks, der autostoppende und hubschrauberflüchtende Diktator, die Securitate, bis hin zu amerikanischen Genpflanzen und österreichischen Firmen wie OMV und Erste  Bank. Das Land hat viel zu erzählen – und nach dieser Lektüre will man sich sofort selbst ein Bild von Rumänien machen.

Gerdes, Hilke (2007): Rumänien. Mehr als Dracula und Walachei, Ch. Links Verlag: Berlin.

Europareise Rückblick

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

Gute Nacht, Wien
19. April 2009

Ein Einkaufswagen schlummert in der dunkelgrünen Donau, die U-Bahnen gleiten geräuschlos über das Wasser. Nur das Rauschen der vorbeifahrenden Autos ist in sanftem Ton zu hören, ein paar Abendspaziergänger treibt es noch an diesen Ort. Der Donauturm blinkt, die Straßenlaternen leuchten. Wien ist bereit zu schlafen.


Video auf Youtube ansehen

Heimreise Videos

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

Frühling in Linz
18. April 2009

Das Warten hat ein Ende, ein sehr schnelles. Nachdem der Winter im Jahr der Kulturhauptstadt bis tief in den März hineinreichte, zeigt sich Linz09 seit Ostern von seiner schönsten Seite. Die Bäume werden wieder grün, Gastgärten eröffnen und an der Donau erhält der Radweg wieder seinen Sinn. Grün ist nicht die einzige Farbe, die der oberösterreichischen Landeshauptstadt wieder Leben einhaucht. Aber sehe selbst.


Thumbnails / Galerie / Slideshow in Vollbildmodus

Fotos Heimreise

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

Bilder als Augenzeugen

Museen und Archive sind voll davon, doch die Wissenschaft orientiert sich lieber bevorzugt an Textdokumenten als an Bildern – und wenn Bilder verwendet werden, so würden diese nur ein Beiwerk sein, um Schlussfolgerungen besser begründen zu können. Der Kulturhistoriker Peter Burke führt in seinem Buch “Eyewitnessing. The Uses of Images as Historical Evidence” in einen relativ neuen Bereich der wissenschaftlichen Forschung ein – der Ikonographie als auch Ikonologie. Mit zahlreichen Beispielen und verschiedenartigen Kapiteln versucht Burke in Zeiten des von W. J. Mitchell ausgerufenen Pictorial Turns Ernsthaftigkeit in das visuelle Forschen zu bringen – inklusive Quellenkritik versteht sich.

Bilder hatten schon vor dem Aufkommen der Fotografie Bedeutung, wenn auch nicht so breitenwirksam. So schufen Bilder eine gewisse Basis beim Entstehen von Revolutionen oder auch dann, um wie beispielsweise die kath0lische Kirche Analphabeten zu erreichen und die Predigten visuell noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Viele seiner Darstellungen beziehen sich auf damalige Gemälde, aber auch Statuen, Fotos und Skizzen, doch sind seine Hinweise auch heute noch gut auf Plakate oder Filmsequenzen anwendbar.

In einem seiner Kapitel beschäftigt sich Burke mit Porträts von Herrschern, die bestimmten Praktiken  folgten und mit Posen, Gestiken, Objekten und Symboliken mit einer ganz speziellen Bedeutung der damaligen Zeit aufgeladen wurden. So beziehen sich einige spätere “Machtmenschen” wie Stalin gerne auf das Napoleon-Bild von Jacques-Louis David, wo er die Hand in seine Weste steckt. Dann stellt sich immer wieder die Frage, wo eigentlich der Betrachter steht – blickt dieser zur dargestellten Person auf oder ist die Person doch eher in Augenhöhe mit der Bevölkerung visualisiert? Ja sogar Hintergründe erhalten eine Bedeutung, Landschaften und auch die Objekte darauf. Architektonische Abbildungen von Städten können völlig menschenleer dargestellt werden, aber auch – so wie heute – mit symbolischen Figuren von glücklichen Müttern mit Kindern bestückt sein. Handeschütteln, Bilder von sportlich joggenden oder mit dem Besen kehrende Politiker. Alles ist mit Bedeutung aufgeladen.

Missverständnisse sind ohne Beachtung des Kontextes eines Bildes vorprogrammiert. In Eugene Delacroix’s Gemälde “Liberty Leading the People” ist beispielsweise ein Mann in Zylinder zu sehen, der heute eher zur Oberschicht gezählt wird, doch muss man dabei wissen, dass damals auch die Arbeiterschicht gerne diese Kopfbedeckung trug. Burkes Buch zeigt, wie vielfältig dieses Thema der Bilder eigentlich ist. Es geht um die Auswahl der Bilder mit bestimmten Absichten. Es geht um die nicht einfache Erforschung von Ungeschriebenem, wie sich die Menschen damals verhalten haben. Plötzlich stellen sich die Fragen, warum in der mittelalterlichen Kunst kaum Kinder vorkamen, warum scheinbar auch in Asien nur arbeitende Männer auf Gemälden dargestellt wurden, und wie das Andere und Fremde gezeigt wird. Ein spannendes Buch zu einem spannenden Thema.

Burke, Peter (2001): Eyewitnessing. The Uses of Images as Historical Evidence, Cornell University Press: New York.

Rückblick

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

Polsterschlacht in der Hofburg
4. April 2009

Ein noch nie dagewesenes Bild, ein nahezu geschichtlicher Moment, der jedoch nicht in die Geschichtsbücher Einzug halten wird. Schätzungsweise über 70 Jugendliche aus ganz Wien trafen sich am Samstagnachmittag im Innenhof der Wiener Hofburg, um einmal so richtig die Fetzen fliegen zu lassen – genauer gesagt, um in eine Polsterschlacht zu ziehen. Kurz nach 15 Uhr war es dann soweit. Direkt vor der Amalienburg, dem ehemaligen Wohnsitz der Kaiserin Elisabeth, teilte sich die Menge in sich zwei gegenüberstehende Mannschaften. Dort, wo sonst der heutige Bundespräsident überlicherweise Staatsgäste empfängt, flogen einige Sekunde später die Fetzen und Federn – doch nicht nur in Wien. Der 4. April 2009 wurde zum internationalen “Pillowfight Day” ausgerufen – ein globales Fun-Event, das in mehreren Städten der Welt an diesem Tag stattfand. Organisiert haben sich die Jugendlichen selbst, ganz normal über das Internet. 20 Minuten dauerte der Polsterwurf, dann brachte ein Polizist die Menge zur Ruhe. Sieger standen keine fest und nicht alle Pölster lösten sich in ihre Bestandteile auf. Nicht nur der Spaß fand gemeinsam statt, sondern auch das Aufräumen und die TeilnehmerInnen packten ihre Besen und Müllsäcke aus. Ein mittlerweile nicht mehr ganz so neues Phänomen, aber ganz harmlos.


Video auf Youtube ansehen


Thumbnails / Galerie / Slideshow in Vollbildmodus

Fotos Rückblick Videos

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

In die Luft radln

Es soll das größte Bike-Event Österreichs sein, das “Bike Festival” am Wiener Rathausplatz. “Vienna Air King” nennt sich der Wettbewerb, ein internationaler “Dirt-Jump-Contest” bei dem Judges voten. Nicht nur mit der Sprache, auch mit der Kulisse von sandigen Pisten und sommerlichen Strohballen soll das Sport-Event a la Kärntner Beachvolleyballevents in die capital city Vienna geholt werden. Für alle, die gerne 360-Double-Tail-Whips sehen, sicher sehr spannend. “The judges are ready”, um es in internationalen Worten zu sagen.


Video auf Youtube ansehen


Thumbnails / Galerie / Slideshow in Vollbildmodus

Fotos Rückblick Videos

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

Kaiserliches Linz
28. März 2009

Eine Gruppe von uniformierten Männern biegt um die Ecke der k&k-Hofbäckerei in Linz. Frauen mit Goldhauben reihen sich in die bunte Menge von männlichen Ordensträgern. Nicht nur die Kleidung und die Geschlechtereinteilung erzählen über eine vergangene Zeit, sondern auch die Fahnen mit dem doppelköpfigen Adler der Donaumonarchie. Ein Video abseits einer offiziellen Veranstaltung.


Video auf Youtube ansehen

Heimreise Videos

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

Neokonservatismus – alte Kekse, neue Box?

Ist jemand, der Kekse in einer Dose aufbewahrt und deren Wert somit über längere Zeit erhalten möchte, eigentlich schon ein Konservativer? Das lateinische “Conservare” weist jedenfalls darauf hin, dass dabei jemand etwas bewahren bzw. erhalten möchte. Politisch gesehen halten konservative Menschen an vorhandenen Werten fest so wie an Keksen. Verwenden Altkonservative nun Blechdosen und Neukonservative Tupperware?

Der österreichische Autor Robert Misik hat sich genauer mit dem Phänomen der neuen Konservativen befasst, eine Spezies, die bisher noch nicht so ausführlich erfasst wurde. In seinem Buch “Politik der Paranoia” versucht Misik mit Hilfe eines umfangreichen Zitatenschatzes die Gedankenwelt der Neokonservativen aufzudröseln, ja sogar teilweise plakativ darzustellen. Dabei kommt es immer wieder zu Widersprüchen. Forderten Neokonservative in den letzten Jahren stets “mehr Privat und weniger Staat”, so hat der Staat in Zeiten der Finanzkrise nun ihren lebensnotwendigen Kapitalismus vorerst gerettet. Die Steuern der großen Mehrheit finanzierten die Fehler von risikoscheuen “Finanzjongleuren”.

Neokonservative halten die Familie hoch und empören sich über türkische Großfamilien. Freiheit ist ihr großes Ziel, doch diese benötige einschränkende Moralvorschriften. Der Mann im Haus, der das Geld heimbringt, die Sozialhilfeempfänger, die durch die staatliche Hilfe nur noch fauler werden, und der heldenhafte Unternehmer, der durch einen sportlichen, starken Charakter hervorsticht. Moderne Kunst als Aushängeschild und dann noch der Islam, der das friedliebende Christentum in Europa überrennt. Gott bewahre, konserviere. Aber vorher bitte noch mit einer guten Schachtel Kekse in Robert Misiks Buch schmöckern – so böse, wie das alles jetzt klingt, ist er nicht.

Misik, Robert (2009): Politik der Paranoia. Gegen die neuen Konservativen, Aufbau Verlag: Berlin.

Rückblick

Teilen: Link, Twitter, Facebook, Google+, mailen


 

« vorher nachher »