In den schwedischen Spielzeug- und Bekleidungsgeschäften für Babys und Kinder ist ein regelrechter Barbapapa-Rausch ausgebrochen. Tausende bunte Birnen mit Augen, von aufgedruckt bis ausgestopft. Eine gigantische Barbapapa-Brühe an der sich sogar Hello-Kitty, die milliardenfach geklonte sprachlose Katze mit dem Wasserkopf, ihre rosa Tätzchen verbrennen könnte. Warum sind sie so populär? Vielleicht ist es der Reiz des Barbapapa-Vaters, ein dicklicher rosa Klumpen, oder aber auch der zotteligen schwarzen Mutter. Oder es ist wieder soweit: Eine Fernsehgeneration von damals, diesmal Ende der 1970er Jahre geboren, bekommt nun ihre eigenen Kinder und will, dass sie dieselbe Kindheit auch erleben sollen. Die Welt der Barbapapas ist einfach gestrickt, sie ist friedlich, da gibt es Hunde und kleine Menschenbabys. Und Probleme werden einfach durch körperlicher Verformungen gelöst. Zugreifen, solange der Vorrat reicht.

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Sachertårta
27. Januar 2011
Wien ist Stockholm oft sehr nahe. In der Biblioteksgatan der schwedischen Hauptstadt findet sich, schräg gegenüber einer zentral gelegenen Swarovski-Filiale, eine Wiener Konditorei. Seit 1904 können Schweden in der gleichnamigen “Wienerkonditoriet” einen kulinarischen Ausflug in eine der damaligen “Weltstädte” unternehmen. Die “Inspiration från Österrike”, wie es auf deren Website heute so schön heißt, beinhaltet “Wienerbröd”, “Sachertårta” und vieles mehr. Doch eine exakte Kopie eines Wiener Kaffeehauses ist sie nicht.

Zu allererst gibt es hier Selbstbedienung und Schlangenstehen an der Kassa. Keine Kellner, nur Tablett-Abservierer wie bei Starbucks. Trotzdem lässt es sich im ersten Stock gemütlich verweilen. Auch wer sehr langsam seinen Kaffee trinkt und dabei mehrere Kapitel eines Buches hinter sich lässt, wird nicht so schnell verjagt. Die Getränke schmecken gut, das Backwerk ebenso. Sehr viel Wien findet sich in der Vitrine nicht, hier überwiegt eher Stockholm – aber das ist ganz und gar kein negativer Punkt. Wien muss ja nicht in Schweden sein.

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Schrebergärten im Winterschlaf
19. Januar 2011

Nicht unweit vom Zentrum Stockholms entfernt, im Süden Södermalms, wartet eine ganze Siedlung sehnsüchtig auf den Frühling. Der Winter hat die Stadt zwar noch voll im Griff, doch sobald die Schneedecken dünner werden, kommen sie wieder, die Besitzer der Schrebergärten im Tantolunden-Park. Einige Häuser stehen hier schon seit den 1920er Jahren und haben sowohl viele Winter als auch Besitzer auf dem Buckel. Rote Gartenzäune schließen die wenigen aber kostbaren Quadratmeter ein, gespickt mit einem meist rot angemalten Holzhäuschen. Geäst von Bäumen und Sträuchern lassen erahnen, wie dicht das Grün im Sommer werden wird. Nicht mehr lange.
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Eisiges Stockholm
12. Januar 2011

Jetzt kenne ich den skandinavischen Winter – zumindest den Winter von Stockholm. Kiruna und andere Städte im “Nordnorden” sind sicherlich eine andere Geschichte. Stockholm scheint sich jedoch ganz gut den winterlichen Verhältnissen anzupassen. Die wochenlangen Minusgrade haben auch heuer wieder den Riddarfjärden, einen Teil des drittgrößten Sees in Schweden, zufrieren lassen. Während Fußgänger versuchen, den von den Dächern fallenden Eisbrocken in Fußballgröße auszuweichen, retten sich alte Menschen mit Hilfe ihrer Rollatoren über eisglatte Gehsteige. Doch niemand beschwert sich – der Winter in Schweden hat eben seine Tücken. Auto- und Fahrradreifen einfach mit Dubbdäck versehen – das schwedische Wort für Spikereifen – und schon ist das Vorankommen wieder gewährleistet.
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Weihnachten ist definitiv vorbei, auch in Schweden. Als nächstes kommt Ostern – und bis dorthin haben sich die schwedischen Bäcker etwas besonderes ausgedacht: Semla, ein Gebäck aus Weizenmehl, gefüllt oder garniert mit Schlagobers und einer marzipanartigen Mandelmasse. Jeder Schwede isst, dem Tourismusbüro zufolge, im Jahr durchschnittlich fünf Semlor. Dass der schwedische König Adolf Fredrik im 18. Jahrhundert nach dem Verzehr zahlreicher Semlor ums Leben kam, scheint der Popularität dieser Kalorienbombe kaum zu schaden. Ein kurzer Feldversuch in der Stockholmer Innenstadt zeigt, dass es in den Auslagen der Bäckereien und Konditoreien nur so von Semlor wimmelt. Schmeckt ganz gut, doch so besonders sind die Süßwaren mit Deckel dann auch wieder nicht.

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Eine Brise Sommer im tiefen Winter
7. Januar 2011
Stockholm, kurz nach Jahreswechsel. Kaum werden die Sonnenstunden wieder mehr, klettern die Tagestemperaturen von durchschnittlich minus 8 bis minus 12 Grad schon mal gerne auf ungewohnte 0 Grad Celsius. Nicht nur am Sergels torg stehen sich großflächige Sommerurlaubsplakate von heißen Meeresstränden eingeschneiten Weihnachtsbäumen gegenüber und versprechen, dass es auch im Neuen Jahr wieder einen Sommer geben wird. Dass es aber eine lange Weile dauern wird, bis zumindest der Frühling in Schweden tatsächlich vorbeischaut, davon spricht hier jedoch niemand.

Das schon wieder leicht abklingende Zauberwort dieser Tage ist “Rea”, der Ausverkauf. Winterbekleidung ist auf das Restposten-Niveau gesunken – während Haubenträger und Schalnutzer die Einkaufsstraßen säumen ist zumindest hier ist der Sommer schon tatsächlich in Reichweite. Nur das Skibrillenregal im Sportgeschäft bleibt vorerst noch auf zehn Meter Länge.

Ähnlich lang sind die einzelnen Marktstände, die am späten Nachmittag noch immer gerne tropische und bunte Früchte aus vielen fernen Ländern anbieten. Kommt der Sommer nicht von selbst, holen wir ihn uns stückchenweise. Strahlt die Sonne nur für wenige Stunden, strahlt das helle elektrische Licht in der Stadt die ganze Nacht. Und der knirschende, graue Schneematsch von heute wird dem knisternden Sandstrand von morgen allmählich immer ähnlicher.

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Stockholm: Normalität unter Warnwesten
13. Dezember 2010
An der Kreuzung Olof Palmes Gata und Drottninggatan ist eigentlich nichts Ungewöhnliches zu sehen. Die Einkaufsstraße von Stockholm ist ab hier schon ziemlich zu Ende, keine großen Stores mehr, nur noch Gastronomiebetriebe und kleinere Geschäfte. Im Minutentakt der Fußgängerampel bleiben immer wieder Autos stehen, andere parken am Straßenrand, meist nur kurz, um schnell in “Duvans citykiosk” eine Kleinigkeit einzukaufen. Neben Zeitungen gibt es hier auch Fahrkarten, Briefmarken und Süßwaren. Ein Mitarbeiter ist an diesem Montag gerade beschäftigt, mit Hilfe einer Leiter die schwarz verrußte Außenfassade zu reinigen und das Firmenlogo, das über der dunkelroten Markise mit der Aufschrift “Aftonbladet” positioniert ist, wieder gerade zu biegen.

Die Schlagzeilen der heutigen Tageszeitungen sind an der Auslage aufgeklebt. Wörter wie “TERROR”, “BOMBAREN” und “SKRÄCKBILDERNA” stechen hervor. Ein Tourist bleibt stehen und macht ein Foto des Straßenschilds. Zwei andere Personen stehen vor der Trafik und diskutieren. Zwei Minuten später erscheint ein Fernsehteam mit Kameramann, Tontechniker und Interviewer. Das blaue Mikrofon mit der Eins verrät, dass es deutsche Journalisten der ARD sind, die ebenso an dieser Kreuzung interessiert sind. Das Rot und das Grün der Fußgängerampel haben sich mittlerweile fünf Mal in regelmäßigen Abständen abgewechselt – Normalität könnte technisch gesehen nicht anders aussehen.

Ein paar Meter weiter steht ein schwedischer Schülerchor und singt fröhliche Lieder. Ein Mädchen trägt einen Kranz mit brennenden Kerzen am Kopf und steht im Vordergrund der Gruppe. Normalität pur – schließlich ist heute Lucia, ein Fest zur Wintersonnenwende, elf Tage vor Weihnachten. Eine alte Frau wirft ein paar Kronen in den Hut. Das Mädchen schützt mit einer Hand die Flamme ihrer Kerze.

Viele Passanten bleiben aber nicht stehen. Sie haben es eilig, noch sämtliche für sie notwendigen Geschäfte abzuklappern. Keine Spur von Weihnachtsfrieden. Selbst die feierliche Beleuchtung, die sich entlang der gesamten Drottninggatan zieht, kann nur wenig Aufmerksamkeit an sich ziehen. Für etwas mehr Aufmerksamkeit sorgen jedoch andere leuchtende Objekte.

“Polisens volontärer” steht auf den Warnwesten von so manchen Personen, die hier durch die Einkaufsstraße schlendern. Meist zu zweit und mit dicken Winterjacken eingepackt beobachten sie die sich laufend bewegende Menschenmenge. Ihre Aufgabe scheint klar definiert – auf und ab zu gehen und zu schauen. Eigentlich eher ungewöhnlich.

Ungewöhnlich sind auch die verhältnismäßig vielen Polizeiautos in der Stadt, aber auch die auf Pferden patrouillierenden Beamten sorgen für Aufsehen. Selbst die Polizisten auf der Einkaufsstraße, auch stets zu zweit, tragen eine Warnweste. Sie sind beim Kleidergeschäft “Indiska” an der Bryggargatan stationiert, nur unweit von der Trafik entfernt. Neben ihrem Einsatzwagen stehend sind sie in ein Gespräch mit Passanten verwickelt, die einen kleinen Kreis bilden. Gleich nebenan stehen drei Männer, die sich ihr Geld damit verdienen, Schilder mit Pfeilen zu nahe liegenden Friseurläden zu halten. Ihre Pfeile deuten diesmal auch auf einen schwarzen Fleck am Boden und der Hauswand.

Es ist Montag, der 13. Dezember 2010. Alles scheint normal zu sein in Stockholm, nur vereinzelt finden sich schwarze Flecken, Warnwesten tragendes Sicherheitspersonal hält sich in der Einkaufsstraße auf. Nicht einmal 48 Stunden zuvor detonierte jedoch hier bei “Duvans citykiosk” eine Autobombe. Kurz danach sprengte sich ein paar Straßen weiter bei “Indiska” ein Mensch in die Luft. Der Zufall wollte es, dass zu Lucia nicht noch mehr Kerzen an dieser heute wieder von tausenden Menschen belebten Einkaufsstraße brennen.
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Eine neue Erfahrung
12. Dezember 2010
Selten oder nie macht man eine Erfahrung dieser Art: In der Stadt, in der man gerade wohnt, hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gejagt und ein paar Straßen weiter ist ein Auto explodiert. Jemanden zu kennen, der zu dieser Zeit etwa 50 Meter entfernt Ohrenzeuge war, vermittelt einem ein noch mulmigeres Gefühl – was wäre gewesen wenn. Zum Glück sind außer dem Selbstmordattentäter keine weiteren Menschen ums Leben gekommen. Ein Sprengstoff-Nägel-Gemisch hätte im weihnachtlichen Einkaufstrubel eine nicht abschätzbare Katastrophe ergeben können.

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Fernessen
6. Dezember 2010
Spannend, wie sehr man sich auf “heimisches” Essen freut, wenn man längere Zeit im Ausland verweilt. Dabei ist Gulasch doch gar nicht österreichisch, wie die Beschriftung dieser schwedischen Dose vorgibt: “Österrikisk Gulasch soppa”. Hat gut geschmeckt, würd aber auch gut schmecken, wenn die Speise an keine Nation gebunden wäre. Ob ich hier in Schweden noch eine Tiroler Suppe oder ein Wienerbröd essen soll?

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Stufenloser Winter
30. November 2010
Sehr viel Schnee ist noch nicht gefallen Ende November 2010 in Stockholm. Doch der Schnee reicht, um sich auf die wesentlichen Wege und Hauptadern der Stadt konzentrieren zu müssen, Seitenwege machen Pause. Es gibt einfach nicht genug Personal für das Freiräumen von diversen Stufen und Treppen, die sich nun in Rutschen und Rampen verwandeln. Neben wenig frequentierten Wegen, die es nicht notwendig haben, bleiben jedoch auch Abgänge wie zu den U-Bahn-Stationen oft tagelang vom Schnee unbefreit. Auch manch eine Straße in Stockholm hat heuer noch kein Schneefahrzeug von unten gesehen. Seien wir gespannt, wann die örtlichen Medien das “Schneechaos” ausrufen. Zuvor kommen aber noch die Tage und Nächte der Minusgrade.

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