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Lichter gegen Rechts
18. Juni 2009

In den letzten Monaten hatten viele Vorfälle in Österreich einen starken Drall nach rechts. Martin Graf wurde zum dritten Nationalratspräsidenten gewählt, seine mittlerweile Ex-Mitarbeiter bestellten bei rechtsextremen Online-Shops, Wände von Konzentrationslagern wurden beschmiert, Gedenkveranstaltungen von KZ-Opfern angegriffen, umstrittene Personen durften im Parlament als Gastredner auftreten und dann noch dieser rechte Hetzwahlkampf der FPÖ vor den Europawahlen. Die Medien waren voll von dunklen Geschichten und es war Zeit für ein Gegenlicht. Zwei Studentinnen, Romy Grasgruber und Maria Sofaly, haben das erkannt und eine sehr erfolgreich besuchte Lichterkette um das Parlament initiiert. Über 3.500 Personen folgten ihrem Aufruf an diesem lauen Juniabend.


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Die Sixtinische Kapelle des Ostens
7. Juni 2009

Im Vatikan steht eine, und in Rumänien. Zu Recht wird das Kloster Voroneţ im nördlichen Teil Rumäniens als die “Sixtinische Kapelle des Ostens” bezeichnet, denn die von starken Mauern umgebene Kirche ist komplett mit überwältigenden Außenwandmalereien verziert. Voroneţ ist vielleicht das schönste Moldaukloster. An der Westfassade findet sich eine detaillierte Darstellung des Jüngsten Gerichts, gemalt im 16. Jahrhundert. Mehr als vier Jahrhunderte später sind die Malereien immer noch zu erkennen, nur an der nördlichen Seite hat im Laufe der Jahre das Wetter zugeschlagen und die Abbildungen beschädigt. Ein beeindruckender Ort.


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Strache redet das Blaue vom Himmel
4. Juni 2009

Mit den Worten “Die Stunde der Abrechung” überreichte der französische Premier Clemenceau im Frühling 1919 die Friedensbedingungen an die deutsche Delegation. 90 Jahre später antwortet die FPÖ darauf und plakatiert im Rahmen der Europawahlen 2009 den “Tag der Abrechnung”. Bei der Schlusskundgebung am Viktor-Adler-Markt in Wien-Favoriten spielt die John-Otti-Band auf. Die Kundgebung wird auch über Internet übertragen. Die Sänger versuchen der müden, wartenden Menge Emotionen zu liefern: “Und jetzt die Hände zum Himmel!” Meist deutschsprachige Bierzeltsongs erklingen, Menschen schunkeln mit. Einige von ihnen tragen ein blaues FPÖ-Kapperl oder eines mit dem österreichischen Bundesadler.

“Zickezacke zickezacke”

Der Himmel sei so schön blau, knallt der Sänger in das übersteuerte Mikrofon. Wenige Minuten später kommen Wolken. Eine große Familie sei hier zusammengekommen. “So, jetzt die rechte Hand rauf.” Kurze Pause. “Jetzt die linke. Nein, bleiben wir bei der rechten”, spricht der Bandleader durchs Mikro. “Zickezacke zickezacke” gefolgt von der “schönen blauen Donau”. Ja, der blaue Himmel, der blaue Himmel. “Und wir warten auf H.C. – und jetzt alle H.C., H.C., H.C.”. Die FPÖ-Kameras schwenken auf die Menschen mit hochgestreckten Händen. “Einer für alle, alle für einen.” Und der Sänger weiter: “Das ist eine Stimmung hier wie zu Zeiten …” – die Live-Übertragung bricht ab. Erst nach einigen Sekunden mit schwarzem Bild geht es wieder weiter. Songtitel wie “Ein Stern, der deinen Namen trägt” und “Crazy music for crazy people” erklingen. Verrückte Musik für verrückte Menschen also.

Quiekende “Glücksschweinchen”

Aus den Lautsprechern dröhnt es: “Ich hör nichts… hey, hey, hey, hey,…”. Der FPÖ-Politiker Villimsky tritt auf die Bühne: “Der Himmel war schwarz, aber blau hat sich durchgesetzt.” Sofort kündigt er an, dass Österreich österreichisch bleiben wird, und dass auch der Viktor-Adler-Markt der Viktor-Adler-Markt bleiben wird – ein Platz, benannt nach einem Begründer der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Ja aber die “linken Rabauken da hinten”, die Vilimsky sieht, deren Pläne will er verhindern. Überall sollen sie hinschauen, die Zuhöher der “Völker Europas”. “Schauts nach England”, wo Politiker über Steuergeld Pornofilme kaufen würden, “schauts euch an, die heutigen Zustände”, wo österreichische Würstelstände den türkischen Kebapbuden gewichen seien. Vilimsky streut kreuz und quer leeres Gerede in die Menge: “Ich höre hinten unsere roten Freunde pfeiffen. Sie sind so etwas wie unsere Glücksschweinchen, immer wenn sie laut quieken sind die Wahlerfolge der FPÖ besonders groß”. Zeit für FPÖ-EU-Kandidat Mölzer, der auf die Plakate “Abendland in Christenhand” einsteigt.

“Unglaubliche Hetze”

Ganz Österreich habe auf einmal über die FPÖ zu diskutieren begonnen, eine “unglaubliche Hetze” werde gegen die FPÖ gefahren – wie, und da greift Mölzer zurück in die Geschichte, bei Waldheim und den EU-Sanktionen. Das arme Österreich – hat er zwar nicht direkt so gesagt, klang aber so. Nein zu Türkei, ja für eine stärkere Polizei – “Die Polizei ist das Opfer”, wegen den “linken Gewalttätern”, so Mölzer. Eine “friedliche, harmonische Gesellschaft” wünscht er sich und will den “Mächtigen einen Denkzettel verpassen”. So in etwa klingen die Forderungen des FPÖ-Kandidaten, der sich für einen Sitz im europäischen Parlament bemüht.

Weniger Steuern an den Staat, mehr Geld vom Staat

Zeit für Musik: “Seids guat drauf? Seids scho müde? Wo san die Hände?”, “H.C., H.C., I hear nix. Wo san die Wiener? Wo san die Niederösterreicher?” Fragen über Fragen, die nur ein weiteres Mal die Musik “Ein Stern, der deinen Namen trägt” beantworten kann. “Wo sind die Damen? Wo sind die Männer?”. Und dann tritt der braun gebrannte Mann in schwarzer Jacke, in grauem Pullover mit V-Ausschnitt und lilaweiß-kariertem Hemd auf die Bühne. Strache, ein Politiker ohne Anzug und Krawatte. Im Hintergrund stehen ein paar junge Buben in blauen Poloshirts und schwenken weiße Fahnen der RFJ. Ja auch Strache sieht “Hetzkampagnen” von diesen “Roten und linken Nestbeschmutzern”, Beifall im Publikum, die Live-Übertragung kommt ins Stocken. Strache holt aus, glaubt, dass die Österreicher gemeinsam gelitten hätten, dass sich trotz teuren Neuwahlen nichts geändert hätte. SPÖ und ÖVP würden nicht nur kuscheln, sondern auch “füßeln” und hätten “unsere Probleme” nicht ernst genommen. Populismus pur. Nach Straches Plan soll der Staat weniger Steuern verlangen, damit der “arbeitenden Bevölkerung” “mehr Geld im Geldbörserl” bleibe, und gleichzeitig mehr für sie ausgeben. Eine Rechnung, die nicht aufgehen kann, auch wenn Strache Geld durch Einstellung des österreichischen EU-Mitgliedsbeitrags und der Entwicklungshilfe ein paar Euro kurzfristig hereinbekommen möchte. Beträge, die er gerne streichen möchte, wandelt er auch in die “alte Währung” Schilling um.

Stiftungsmillionäre vs. Häuslbauer

Die bösen Großunternehmer, die Stiftungsmillionäre, die Manager gegen die braven kleinen Bürger, Häuslbauer und Kleinunternehmer. Schnell wird die EU thematisiert, schließlich ist es auch ein EU-Wahlkampf. Die EU sei ein “Teil dieser Fehlentwicklung” und der “Kopf des Globalisierungswahnsinns”. Es brauche einen “dritten Weg”. Doch Strache schweift zurück nach Österreich, zum “Giebelkreuzregime des Herrn Konrad”, zu Raiffeisen, das den Bauern Geld abzockt und über Zeitungsnetzwerke die Presse manipuliere. Den Raiffeisen-Chef bezeichnet Strache sogar als “Giebelkreuzdiktator” und beschwert sich einige Minuten später wieder über die “Hetzkampagne gegen die FPÖ”. “Mehr regional statt global” ist seine Devise, die Kultur verteidigen möchte er auch – wie das Amen im Gebet folgt das Nikolausverbot in seinem Redetext. Und wieder zurück zu den Beschimpfungen, die die FPÖ ertragen müsse. Der Himmel weint mittlerweile, ein leichter Regen stellt sich ein. Der umstrittene dritte Nationalratspräsident Graf hat einen Gastauftritt auf der Bühne, erhält ein “Wir stehen zu dir” von Strache, die Menge jubelt, und er verschwindet so schnell wie er gekommen ist. Die Buben im Hintergrund kauen ihren Kaugummi, die Rede hat mittlerweile schon mehr als eine halbe Stunde gedauert. Doch Strache ist noch nicht müde: “Die SPÖ sollte sich schämen, sie schadet Österreich mit ihrem Verhalten” und die “Entwicklungen erinnern an autoritäre Zeiten”. Strache weiter: “Man will uns offenbar zu den Verfolgten der Neuzeit machen”. Und die Jugend, die angepöbelt werde, “weil sie Österreicher sind”. Strache: “Ich stelle mich schützend hinter unsere österreichische Jugend.” Strache korrigiert das und stellt sich im nächsten Satz vor die Jugend. Ausländer. Das Thema darf in der FPÖ nicht fehlen: “Wir wollen anständige Bürger in Österreich”. Sogar das Wort “Menschenrecht” fällt kurz darauf, als er es “für alle Völker auf dieser Erde” einfordert. Und er werde jedem Volk auf dieser Erde beistehen, dem unrecht getan werde. Strache glaubt nun selbst, der blaue Superman seines umstrittenen Comics zu sein.

“Europa der Vaterländer”

Aber nein, die EU ist nicht Europa – er träumt von einem “föderalen Europa der Vaterländer”, ohne Marmeladeverordnungen, Glühbirnenvorschriften, Rauchverboten. Auch der Begriff “Fräulein” dürfe nicht verboten sein, so Strache. Das solle der ORF jetzt alles mitfilmen, spricht Strache ins Mikrofon als es um FPÖ-Abstimmungsgeschichte geht. Die anderen Parteien seien “Pharisäer”. Generell verwendet Strache nun wiederholt Begriffe, die er immer wieder für bestimmte Parteien einsetzt: “Die Soletti, die Orangen, wie immer dabei”, “Wir, die einzigen Österreich-Vertreter”, die Grünen, “die die Heimat am meisten verachten”. Zurück zur Exekutive, Strache dreht sich wiederholt im Kreis, sie werde im Stich gelassen. Und es sei nicht sicher, ob “unsere Wohnungen leer vorgefunden” werden, wenn wir jetzt nach dieser Veranstaltung nach Hause gehen. Ja und Ägypten ist auch kein Teil Europas. Der Kaugummi des Buben im Hintergrund ist schon zäh, der andere Fahnenträger gähnt in die Kamera. Dann doch auch wieder “H.C.”-Rufe aus dem Publikum. “Wir haben Partner in der Welt”, geht es weiter. Ja und die Roten und die Schwarzen, die nichts mehr mit ihren ursprünglichen Ideologien zu tun hätten, und die Kommunisten. Der “Tag der Abrechnung”. Der Bub mit Fahnenstange im Hintergrund checkt seine empfangenen SMS. “Glück auf!”, und Straches Rede ist nach fast 1,5 Stunden vorbei.

Bundeshymne mit Hitler-Gruß

Die österreichische Bundeshymne erklingt. Land der Berge. Die FPÖ-Kamera filmt in die Menge, die die Hände hebt. Ein nationalsozialistischer Hitler-Gruß ist darunter. Der selbstgesungene EU-Rap von Strache untermalt die folgenden Bilder von jubelnden Menschen. Eine Minute später unterbricht Strache sein Österreich-Fahnenschwenken und distanziert sich von den erhobenen rechten Armen. Vorbei ist die Schlusskundgebung der FPÖ. Doch nur für heute.

Rückblick

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Über den Dächern von Satu Mare
27. Mai 2009

Abendliche Sonnenstrahlen streifen über die Dächer von Satu Mare. Der 110.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten Rumäniens steht ein friedlicher Abend bevor. Nur wenige Autos fahren am Freiheitsplatz, dem Hauptplatz im Zentrum, vorbei. Umrundet ist das Zentrum des “großen Dorfes”, wie der Stadtname übersetzt werden kann, von Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert. Ein Hauch von einem alten Wien ist zu spüren, aber auch etwas von einer ländlichen Ortschaft. Zahlreiche Kirchtürme sind zu sehen, nicht nur die der großen römisch-katholischen Kirche am Hauptplatz, der selbst beinahe nur von Bankfilialen eingenommen wird. Der Ausblick auf die ehemalige Handelsstadt vom Hotel Aurora, das neben einem weiteren futuristischen Hochhaus markant über alle anderen Bauwerke hinausragt, lohnt sich. Der Blick schweift über die schönen, alten Dächer bis zur naheliegenden Grenze nach Ungarn. Satu Mare hat viel zu erzählen, tut es aber nicht. Vor 100 Jahren lebten hier Ungarn, nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt Rumänien zugestanden, gelang im Zweiten Weltkrieg wieder zurück zu Ungarn, wurde 1944 von sowjetischen Truppen eingenommen und ist seitdem erneut Teil Rumäniens.


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Misthaufen Österreich
26. Mai 2009

Ein kontroverses Drama war es, das Stück “Heldenplatz” von Thomas Bernhard. Der damalige Bundespräsident Kurt Waldheim hielt es für eine “grobe Beleidigung des österreichischen Volkes” – nicht nur, weil er selbst darin als verlogener Banause bezeichnet wurde. Jörg Haider, damals im Aufwind der FPÖ, über Bernhard: “Hinaus mit diesem Schuft aus Wien!” Im Jahr 1988 waren nur jüngere Leute und Menschen mit einem hohen Bildungsniveau Umfragen von damals zufolge der Aufführung dieses Stückes in Wien positiv eingestellt. Zeitungen wie die Kronenzeitung druckten entsetzt Passagen aus dem Stück ab, ohne jedoch darauf hinzuweisen, dass es sich dabei um Zitate der Figuren aus dem Stück handelte. Österreichische Zeitungen würden nur Unrat schreiben, stand da, und sie seien primitive “Dreckblätter”, österreichische Zeitungsredaktionen seien “skrupellose parteiorientierte Schweineställe” und auch die Kronenzeitung kam in diesem Zusammenhang im Stück vor. Das echte Entsetzen blieb jedoch aus, das der Protagonist im Stück sofort erkennt: Das Traurige dabei ist, dass die Österreicher diese diese sensationsgierigen Zeitungen auch lesen.

“Heldenplatz” ist eine schaurige Momentaufnahme, die Thomas Bernhard gekonnt 50 Jahre nach dem Anschluss 1938 in Szene gesetzt hat. Das Stück dreht sich um die Angehörigen eines jüdischen Professors, der aus Österreich vor dem Nationalsozialismus flüchten musste, wieder zurückkehrte und nun im Jahr 1988 Selbstmord beging. Er hatte keine gute Beziehung zu Menschen, betrachtete alle bis auf seinen Bruder als Untermenschen, war pessimistisch und grantig, aber penibel beim Zusammenlegen der Hemden. In Wien, wo er lebte, sei es heute “schlimmer als vor fünfzig Jahren”, habe der Professor immer gesagt. Im gesamten Stück werden stets Zitate des alten Professors genannt. Heute wären mehr Nazis in Österreich als 1938, und es würde nur mehr eine katholische oder eine nationalsozialistische Einstellung geduldet werden, waren noch einige seiner Worte. Der Professor fand die parteipolitischen Besetzungen vieler Posten im Land unerträglich. Sein Bruder Robert nahm all das hin. Selbst als durch seinen Garten am Land eine Straße gebaut werden sollte, protestierte er nicht dagegen, um nicht mit dem Bürgermeister “auf Kriegsfuß” zu stehen und weil es seiner Meinung nach sowieso nichts nütze sich zu wehren. Alle würden sich in Österreich ununterbrochen über etwas aufregen, so Robert, doch niemand protestiere dagegen. Im Buch kommen Kirche, Industrie, Politik, Sozialisten und die Kultur in Österreich ganz und gar nicht gut weg. Österreicher würden nichts mehr hören und nichts mehr lesen – sie seien selbst dem Selbstmord nahe. Eine reine Verlogenheit herrsche in Österreich, die Wirklichkeit sei so schlimm, dass sie nicht beschrieben werden könne. Auswandern und nie wieder nach Österreich zurückkommen oder der Friedhof, das sind zwei Exitstrategien, die im Buch dargestellt werden. Wie das mit Österreich heute so ist, kann jeder selbst entscheiden, eine Bereicherung ist der Text allemal. Wem beim Lesen so wie mir fröstelt, scheint zumindest eine Prise an trauriger Wahrheit in diesem lesenswerten Stück gefunden zu haben.

Bernhard, Thomas (1995) [1988]: Heldenplatz, Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main.

Rückblick

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An der Donau radeln
21. Mai 2009

Ein traumhaftes Frühlingswetter um mal wieder in die Pedale zu treten. Wien bietet für Ausflüge mit dem Fahrrad zahlreiche Möglichkeiten. Von Norden nach Süden auf der Donauinsel, vorbei an duftenden Grillplätzen und gastfreundlichen Gasthäusern, zwischen Inlineskatern und Bikern hindurch, begleitet von erfrischenden Wasserwegen und grünen Oasen. Nach einem Streifzug durch die OMV-Ölanlagen geht es weiter zum Wiener Hafen und zurück über den Donaukanal direkt ins Zentrum von Wien.


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Schwarze Vasen

In der Werkstatt dreht sich der Ton kontinuierlich im Kreis. An der Wand biegen sich Regale mit neuen Vasen, ein Heiligenbild wacht über sie. Drei Männer sitzen im Raum einer Werkstatt an ihren Arbeitsplätzen, gesprochen wird kein Wort, denn ganz alleine sind sie auch nicht. Regelmäßig trifft ein Autobus in Marginea ein, einer kleinen Ortschaft im Norden Rumäniens. Der Grund: Diese Töpferei ist weit über die Grenzen für ihre schwarze Keramik bekannt. Dementsprechend dunkel gestaltet sich der angrenzende Shop, bei dem um für ausländische Touristen sehr billiges Geld Töpfe, Vasen und Teller erworben werden können. Nicht lange sind die Menschen hier – nach etwa einer halben Stunde geht es weiter. Morgen dreht sich der Ton wieder im Kreis.


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Hunedoara, die verrostete Eisenstadt
15. Mai 2009

Große Pläne hatte Ceaucescu immer wieder für sein Land. Einen davon konnte er in der rumänischen Stadt Hunedoara, zu Deutsch Eisenmarkt, verwirklichen. In kurzer Zeit stieg eine riesige Industriestadt empor, spezialisiert auf Eisenproduktion. Die dafür notwendigen Arbeiter, mehr als 30.000 Personen, und ihre Familien wurden plangemäß großteils nach Hunedoara übersiedelt und in unzähligen Plattenbauten einquartiert. Das Eisenhüttenwerk war der einzige Arbeitgeber in der Stadt und bis Anfang der 1990er Jahre das größte seiner Klasse in ganz Rumänien.

Nach der Wende ging es mit der Stadt bergab, das Werk wurde privatisiert, großteils stillgelegt und beschäftigt nur noch etwa 500 Arbeiter. Rostige Ruinen und alte Schornsteine zeugen noch immer von der Größe dieses Werks. Da sich die Stadt das Abtragen der Objekte nicht mehr leisten kann, blieben sie bis heute stehen. Viele haben die Stadt mittlerweile verlassen und die, die geblieben sind, haben mit einer hohen Arbeitslosenquote zu kämpfen. Die Stadt scheint keine Attraktionen für Touristen zu haben, doch nicht unweit vom Zentrum entfernt befindet sich ein Schloss, das bei Dracula-Touren besichtigt und für Filmdrehs verwendet wird. Aber verweilen will hier niemand, obwohl die Stadtverwaltung neben dem Schloss auch noch das örtliche Drei-Sterne-Hotel auf ihrer Website abgebildet hat.

Der Bürgermeister von Hunedoara ist, so verlangt es auch seine Position, stolz auf seine Stadt. Im Internet berichtet er äußerst zufrieden davon, dass sich im Vorjahr 27.000 Bewohner an den Bürgermeisterwahlen beteiligt hatten. Marius Ovidiu Hada hat viele Aufgaben und Herausforderungen vor sich. Eine historische “Chance” müsse genutzt werden, ein neuer Kurs für diese Stadt, ein Kurs weg von der “Isolation”. Ein großer Plan, der sich hoffentlich verwirklichen lässt.


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Das alpine Rumänien
12. Mai 2009

Rumänien grenzt zwar nicht an Österreich, doch geographisch sind beide Länder felsenfest miteinander verbunden. Im nordöstlichsten Teil Österreichs beginnen sich die Karpaten langsam zu erheben, ziehen über Slowakei, Ungarn, Polen und Ukraine nach Rumänien, wo sie sich besonders in die Höhe strecken, bevor der Gebirgszug in Serbien zum Stehen kommt. Diese Berge sind womöglich die sichtbarsten Zeichen der landschaftlichen Vielseitigkeit Rumäniens.

Wer die Gebirgsstraßen der Ostkarpaten des Landes emporschlängelt, gelangt auf den Prisloppass mit einem sehenswerten Ausblick. Hier auf über 1.400 Meter Seehöhe ist der Schnee mittlerweile schon geschmolzen – im Winter jedoch wird diese wichtige Verbindungsstraße von und ins Maramuresch-Gebiet sogar geräumt. Für Notfälle steht ein Traktor mit Abschleppseil und Schneeketten am Gebirgspass – ein paar Meter weiter ein älteres Modell eines Volkswagens mit offenem Seitenfenster.

Ein Mann wartet am Straßenrand auf die nächste Mitfahrgelegenheit, ein anderer telefoniert vom Denkmal aus mit seinem Handy – der Mobilfunkempfang ist bestens. Sogar ein Kloster hat sich hier vor ein paar Jahren angesiedelt und befindet sich kurz vor seiner Fertigstellung. Die Luft ist frisch, der Atem tief, die Nadelwälder dunkelgrün. Es sind die Karpaten und nicht die Alpen.


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Der illustrierte Tod
5. Mai 2009

Im rumänischen Dorf Sapinta läuft ein dreijähriges Mädchen unbeobachtet auf die Straße und wird von einem vorbeifahrenden Auto erfasst. Das Mädchen stirbt. Eine tragische Geschichte, vor allem für die Angehörigen, die sich einige Tage später am örtlichen Friedhof rund um ihr Grab versammeln. Dem Mädchen wird eine Grabtafel geschnitzt und bunt verziert. Unterhalb der eingravierten Jahreszahlen findet sich ein Gedicht über ihr viel zu kurzes Leben. Niemand scheint sich an die Szene erinnern zu wollen, als das Mädchen starb, doch das ist in diesem Dorf anders. Ein rotes Auto ist auf der Schnitzerei zu sehen – und das Mädchen, wie es zu Boden fällt.

Am “Heiteren Friedhof” werden seit den 1930er Jahren die Szenen des Todes oder Bilder aus dem Leben der Toten gezeigt. Hier finden sich Darstellungen von Bauern mit ihren Pferden, von traurigen Witwen, von arbeitenden Menschen und erschossenen Männern. Keine blassen Namensbeschriftungen und unauffällige Sterbedaten sondern erzählende und lebendige Bilder, die keiner Sprache bedürfen. Der Tod und das Leben – unvergesslich illustriert.


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